Wolfgang Kos empfiehlt: Newport Folk Festival. Best of the Blues 1959 ? 68

Weltmusiktipp von Ö1 und Südwind

Viele junge AmerikanerInnen hatten um 1960, also am Zenit des politischen Folk Movements, das irritierende Gefühl, mit dem schwarzen Blues einen neuen Kontinent zu entdecken ? nicht irgendwo in der Ferne, sondern im eigenen Land. Eine strikte kulturelle Rassentrennung hatte bewirkt, dass Bluesplatten bestenfalls in so genannten ?race radios? zu hören waren. Erst langsam dämmerte es den Folkniks, dass viele der Songs, die sie eifrig nachklampften, auf bislang fast unsichtbar gebliebene künstlerische Innovatoren zurückgingen. Dass aber manche der großen Musiker des Delta- und Countryblues noch lebten, verarmt und negiert zumeist, war kaum bewusst. Das Folkfestival im Atlantik-Badeort Newport wurde zum Ort der ?Wiederentdeckungen?. Wie Trüffelschweine waren Musikologen und Enthusiasten ausgeschwärmt, um in einem Kaff in Mississippi oder in einem Altersheim in Chicago Menschen zu finden, deren Namen sie von obskuren Platten aus den dreißiger Jahren kannten. Auf den drei CDs sind Highlights von Auftritten von Mississippi John Hurt, Lightnin? Hopkins, John Lee Hooker, Fred McDowell und vielen anderen zu hören.

Die Livemitschnitte aus Newport stehen für eine musiksoziologische Kreuzung: Der Blues wurde von da an zur Heimatmusik urbaner Mittelklasse-AmerikanerInnen und zum Kraftmittel der Rockmusik.

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