Zeitgenössische Künstler aus China

Hans-Georg Knopp und Johannes Odenthal (Hg.)

Sachbuch. Verlag Steidl, Göttingen 2011, 383 Seiten, Farbfotos, EUR 20,00

China ist mit den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umwälzungen seit dem Beginn der Liberalisierung zu einem Global Player geworden. Auch im Bereich von Kunst und Kultur. Doch die europäische Kunst­rezeption hat ihre Probleme mit diesem Phänomen. Wie soll man diese künstlerische Dynamik mit immer wieder neuen, für uns ohnehin kaum merkbaren Namen verständlich machen? Fragt man jemandem nach einem zeitgenössischen chinesischen Künstler, so wird man bestenfalls den Namen des regimekritischen Ai Weiwei zur Antwort bekommen. Doch nicht nur die Namen machen unserem Gedächtnis zu schaffen; es sind vielmehr überhaupt die fremden Denktraditionen, die sich der eurozentrischen Kunst- und Kulturtheorie verweigern.

In Gesprächen mit zahlreichen KünstlerInnen aus den Sparten Theater, Tanz, Musik, Literatur, Film und bildende Künste werden bestimmte Fragenkomplexe ausgelotet. Etwa die persönliche Auseinandersetzung der Kulturschaffenden mit der Kulturrevolution, die Frage, für welches Publikum sie produzieren und welche gesellschafts- und kulturpolitischen Haltungen sie einnehmen.

Viele der interviewten KünstlerInnen haben längere Zeit in Europa und Amerika verbracht und sind dann wieder nach China zurückgekehrt. Sie haben sich intensiv mit westlichen Kunstformen auseinandergesetzt und suchen dann ihren eigenen Weg.

Die Phase der Kulturrevolution, die man von 1966 bis 1976, dem Jahr von Maos Tod, datiert, war für alle Kulturschaffenden eine prägende, einschneidende Erfahrung. Sie spielt auch in den Werken der Gegenwart, besonders in Literatur, Theater und Film, eine bedeutende Rolle. Etwa in dem Film „In the Heat of the Sun“ des Regisseurs Jian Weng.

Das Buch, das auf Initiative des Goethe Instituts und der Akademie der Künste Berlin entstanden ist, gibt einen höchst interessanten und authentischen Eindruck von der Breite und Vielfalt der zeitgenössischen Kunstszene in China.
Werner Hörtner

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