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Zensur in Singapur

In Singapur kann man „Fanny Hill“ jetzt legal kaufen und lesen, aber der „Playboy“ ist immer noch verboten.

Von Mong Palatino

Singapurs Medienentwicklungsbehörde (MDA) hat über 240 bis dato verbotene Bücher und Magazine freigegeben, um laut Webportal der Behörde „mit den sozialen Normen Schritt halten zu können“. Unter den bisher verbannten Titeln befinden sich kommunistische Theaterstücke, malaysische nationalistische Broschüren und erotische Romane. Die anti-kolonialistische Zeitschrift „Dravida Nadu“ wurde zum Beispiel 1949 verboten, das kommunistische Theaterstück „The Long March“ wurde 1959 für illegal erklärt und der Erotikroman „Fanny Hill“ kam 1966 zur Liste der verbotenen Bücher hinzu.

Zuletzt hatte die Regierung 2004 nach 22-jährigem Verbot eine Publikation wiedererlaubt: das Frauenmagazin „Cosmopolitan“. Für 17 Publikationen gilt nach wie vor das Verbot der Einfuhr, des Verkaufs und der Verbreitung, da sie als schädlich für das öffentliche Interesse angesehen werden.

Die meisten sind Magazine, wie etwa „Penthouse“, „Hustler“ und „Playboy“. Die Regierung hat aber auch alle Publikationen der Wachturm Bibel- und Traktat-Gesellschaft der Zeugen Jehovas und deren Internationaler Studentenvereinigung verboten. Die Sekte untersagt es ihren Mitgliedern, Militärdienst zu leisten. Das Verbot der Publikationen der Zeugen Jehovahs wurde erstmals 1994 verabschiedet.

Der Beschluss der MDA wird nur wenig Einfluss auf das Verlagswesen haben, da viele der früher verbotenen Titel nicht mehr verlegt werden oder bereits unpopulär geworden sind. Nichtsdestotrotz macht dies auf die strenge Regulierung der Medien in Singapur aufmerksam, die, wie viele glauben, das Recht der Menschen auf freie Meinungsäußerung untergräbt.

Mong Palatino von den Philippinen war Parlamentsabgeordneter, ist Aktivist und bloggt zu sozialen Themen in Südostasien.

globalvoices.org

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