Zoë Wicomb: Davids Story

Von Michael Schwarz
Aus dem Englischen von Hilde Schruff. Lamuv Verlag, Göttingen 2002, 303 Seiten, € 13,-

„Davids Story“ ist ein neuer Roman aus Südafrika, der aus der Vergangenheit der Mischlingsbevölkerung (der „Farbigen“) sowie der Gruppe der Griquas berichtet und gleichzeitig einige Einblicke in die gegenwärtige Lage in Südafrika gibt.
Aber eigentlich wird die Geschichte von David Dirke, einem 35-jährigen Anti-Apartheid-Kämpfer erzählt. Er möchte die Geschichte seiner Vorfahren entdecken und erlebt dabei eine große Enttäuschung, weil sich viele der Griqua-Führer den Weißen angepasst und sogar der Ideologie der Homelands Vorschub geleistet hatten. Auch der Kampf der Apartheid-Gegner war längst nicht so heroisch, da auch im ANC gefoltert und Frauen vergewaltigt wurden.
David merkt, wie verworren die Geschichte ist. Er erzählt sie Stück um Stück einer Autorin, die dieses Material im Roman weitergibt. So besteht Davids Geschichte aus Bruchstücken mit vielen Rissen, Wiederholungen, Varianten und wechselnden Perspektiven. Am Ende schreibt die Autorin: „Ich kann mich in diesem Durcheinander nicht wieder finden ... Ich gebe die Story jetzt aus der Hand.“
Zoë Wicomb schreibt flüssig, humorvoll und beißend ironisch; aber es ist nicht leicht, in diesem Flickenteppich den Faden zu behalten. Da lohnt es sich, ausnahmsweise im Voraus das informative Nachwort von Geoffrey V. Davis zu lesen, das eine willkommene Orientierungshilfe bietet.
Der Roman zeigt in seiner Vielschichtigkeit viele Facetten der Geschichte Südafrikas und bewahrt die Lesenden vor simplifizierender Geschichtsklitterung.

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