Abschied von Jean Ziegler

Von Redaktion · ·

„Der Tod zwingt uns zur Bilanz. Seine einzige Überwindung ist die Überzeugung, dass wir am Ende sagen können: Ich habe mit anderen zusammen wenigstens so viel verändert, dass mehr Sinn in diese Welt gekommen ist, mehr Brüderlichkeit und mehr Liebe. Nur das kann der Sinn des Lebens sein. Deshalb müssen wir handeln.“

Jean Ziegler, 1934 geboren, war Soziologieprofessor, Schweizer Politiker, UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung – und einer der bedeutendsten Globalisierungskritiker unserer Zeit. Diese Zeilen schrieb er 1986. Sie klingen wie ein Lebensprogramm.

Bekannt ist auch Zieglers Satz: „Ein Kind, das heute am Hunger stirbt, wird ermordet“. So trat er auch in seinen zahlreichen Büchern für einen entschlossenen Kampf gegen den Hunger in der Welt ein. Als Bürger einer der reichsten Länder der Erde sah er es als seine Pflicht, nicht aufzugeben und nicht abzustumpfen und sich gegen die von ihm so bezeichnete „kannibalische Weltordnung“ zu wehren.

Den konsequenten Kapitalismuskritiker, Autor und Impulsgeber für soziale Bewegungen, Gewerkschaften und Befreiungskämpfe hat das Südwind-Magazin seit seiner Gründung begleitet.

Am 10. Juni ist Jean Ziegler mit 92 Jahren gestorben. Unser tiefes Mitgefühl gilt seinen Weggefährten, Freund:innen und seiner Familie. Seine Stimme und sein Engagement für soziale Gerechtigkeit werden fehlen.

Widerstand, Hoffnung, Veränderung

Aus unserem Archiv haben wir eine Auswahl von vier Beiträgen für Sie herausgesucht, mit denen wir Jean Zieglers Gedanken, Haltungen und Worten gedenken wollen.

Über das von ihm herbeigesehnte Ende des Kapitalismus und das Potenzial der Fridays for Future-Bewegung sprach Jean Ziegler 2019 mit Johannes Greß: „Eine planetarische Zivilgesellschaft erwacht“

In einem Schreiben richtete sich Jean Ziegler 2018 an die Organisator:innen und Teilnehmer:innen der Donnestags-Demos gegen die schwarz-blaue Regierung. Das Südwind-Magazin berichtete: Jean Zieglers Solidaritätsbekundung an die Organisator:nnen und Teilnehmer:nnen der Donnerstags-Demos

Im Gespräch mit Dieter Alexander Behr im Jahr 2017 erklärte Jean Ziegler, warum er Hunger als Mord betrachtete und welche Hoffnungen er in die Zivilgesellschaft setzte: „Die kannibalische Weltordnung wird fallen“

Das Südwind-Magazin berichtete u.a. auch 2004 über den streitbaren Soziologen Jean Ziegler, der sich in seiner Heimat Schweiz schon viele Feinde gemacht hatte und Gerichtsverfahren angehängt bekam: Unermüdlich gegen die Oligarchen


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