Zwei Siegel für Blumen

In Österreich werden zwei Arten von fairen Blumen angeboten. Öffentliche Finanzierung erhält nur mehr das neue Label von Fairtrade.

Von Margot Fassler
Es begann mit einer Muttertagsaktion im Jahr 2000: Die österreichische Sektion der internationalen Menschenrechtsorganisation FIAN lancierte die FLP–Blumenkampagne, die sich der Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit zum FLP (Flower Label Program) in Österreich widmete. Ziel von FLP ist die Durchsetzung von Umwelt- und Sozialstandards in der Blumenindustrie. FIAN Österreich hat damit Pionierarbeit zum Thema Menschenrechtsverletzungen auf den Blumenplantagen des Südens (und auch in Europa) geleistet: Die Arbeitsbedingungen in der Blumenindustrie sind seither zum öffentlichen Thema geworden. Der Einstieg von Fairtrade mit gekennzeichneten Blumen in österreichischen Supermarktketten beweist das.

Seit Herbst 2006 wird die Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit rund um FLP nicht mehr von der österreichischen Entwicklungszusammenarbeit gefördert. Die Gelder gehen jetzt an Fairtrade, das sich im Laufe der Jahre über eine ständig vergrößerte Produktpalette und ein weiterentwickeltes Vertriebssystem eine ungleich größere Marktpräsenz verschaffen konnte als FLP, das als Gütesiegel im Floristikfachhandel immer noch besteht.
Die Inspektionen der jeweils anderen auf den Blumenfarmen werden aber gegenseitig anerkannt; die Zertifizierungen erfolgen weiterhin getrennt. So werden zertifizierungswillige ProduzentInnen nicht zweimal zur Kasse gebeten.
„FLP bleibt auch weiterhin das faire Siegel im Floristik-Fachhandel“, versichert Lisa Sterzinger von FIAN Österreich. Die meisten FLP-Farmen befinden sich in Ecuador und produzieren die sogenannten „Ecuadorrosen“ mit großen fleischigen Blütenköpfen. Insgesamt gibt es weltweit 52 FLP-Farmen, auf denen 12.000 Arbeiterinnen eine Fläche von 1.000 Hektar bearbeiten. Die Geschäftsstelle befindet sich in Köln.
FLP hat im Jahr 2003 vom deutschen Konsumentenschutzverband aufgrund seiner hohen Standards, der strengen Kontrollen und der Transparenz die Auszeichnung „Label des Jahres“ erhalten. 2005 wurde FLP mit dem Silver Rose Award des EU-Dachverbandes Solidar ausgezeichnet.

Die Autorin war bis Ende 2006 Leiterin der FLP-Blumenkampagne

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