„Zwölf Jahre können doch nicht vergeblich sein“

Von Hans Lindenbaum ·

Bäume pflanzen kann gefährlich sein, erfuhr die Gründerin einer der erfolgreichsten Umweltschutzbewegungen Afrikas.

„Was wir tun, ist recht einfach – wir ermutigen die Leute, Bäume zu pflanzen, denn das können alle“, sagt Wangari Maathai. 1977 hat sie als Vorsitzende des „National Council of Women of Kenya“ die Initiative „The Green Belt Movement“ angeregt. 1984 erhielt sie für das Projekt den „alternativen Nobelpreis“.

Inzwischen gibt es 3000 Baumschulen, 20 Millionen der gepflanzten Bäume haben überlebt. Für die Zeitspanne von 20 Jahren erreichen die daran Beteiligten – vor allem Frauen – somit eine Erfolgsquote von 70 bis 80 Prozent. Nun breitet sich die Bewegung über andere afrikanische Staaten aus.

Grundidee des „Green Belt Movement“ ist es, das Bewußtsein der Menschen wachzurufen: „Richtig zu handeln, weil das der einzig logische Weg ist“, sagt Maathai. Der Effekt ist vielfältig. Bäume zu pflanzen, wirkt der Ausbreitung der Wüste entgegen, bringt für 90 Prozent der ländlichen und der städtischen Bevölkerung mit niedrigem Einkommen eine Energiequelle, fördert die Regenerierung des Bodens und dessen Funktion als Wasserspeicher, wirkt gegen den Treibhauseffekt und schafft schließlich Arbeit – vorwiegend für Frauen. All das geschieht in Eigeninitiative und gibt Mut gegen die Dominanz fremder „ExpertInnen“, die die Menschen der sogenannten primitiven Kulturen ökonomisch, sozial und politisch marginalisieren und letzten Endes ihre Kulturen zerstören.

Die Initiative gilt als eines der erfolgreichsten Projekte für die Dorfentwicklung und den Umweltschutz und stößt dennoch nicht nur auf Zustimmung. Im vergangenen Jänner demonstrierte Wangari Maathai gemeinsam mit 20 Leuten in der Nähe von Nairobi friedlich gegen die Enteignung öffentlichen Bodens, indem sie Bäume pflanzte. Die Gruppe wurde tätlich angegriffen, Maathai mußte ins Krankenhaus. SympathisantInnen riefen über Internet auf, Briefe an Präsident Daniel arap Moi zu schreiben. Der Generalsekretär der UNO, Kofi Annan, verurteilte den Angriff. Aber es war nicht das erste Mal, daß sich körperliche Attacken, Verleumdungen und Diffamierungen gegen Wangari Maathai richteten, seit sie auch zur Situation der Menschenrechte in Kenia Stellung nimmt.

„Mein Land wird jeden Tag ärmer“, sagt Maathai. „Wir brauchen eine Periode der Erneuerung – es geht nicht an, daß unsere Völker keine Lebensmittel anbauen, weil die Erlöse nicht mehr stimmen.“

Wangari Maathai hat Biologie und Veterinäranatomie studiert. Sie war die erste Frau in der Region xxxx (Ostafrika oder keinianische Region) mit einem Lehrstuhl an der Universität. Ihre Kandidatur als Staatspräsidentin hat sie kurz vor der Wahl zurückgezogen. Ein Treffen wie jenes in Salzburg gebe Mut. Denn mitunter werde man auf eine harte Probe gestellt. Zum Beispiel dann, wenn eine Journalistin mit Bezug auf die Erfolge des „Green Belt Movement“ einwendet, Satellitenbilder nähmen davon aber gar keine Notiz, sondern zeigten vielmehr die Ausbreitung der Wüsten in Afrika. „Da war ich zuerst tief verletzt“, sagt Maathai. „Ich habe doch zwölf Lebensjahre lang versucht, gegen die Wüste zu kämpfen.“ Aber dann habe sie gedacht: „Na gut, wenn dieser Satellit von meinen jahrelangen Bemühungen noch immer nichts bemerkt, dann muß ich eben so viel tun, daß er diese Arbeit doch zur Kenntnis nimmt.“

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