„Die Leute sollen uns einfach hören!“

Wie man mit Reggae politisch sein und gleichzeitig unterhalten kann, wollen Marcus Moh & One World Band am Südwind Straßenfest zeigen. Richard Solder hat mit zwei von ihnen vorab gesprochen.

Marcus Moh Diawara und Marcus Diawara.© Alexander Chitsazan

"Was kommt, kommt.“ Marcus Moh Diawara und sein Sohn Marcus Diawara (der Junior heißt wie sein Vater, allerdings ohne Moh, das für Mohamed steht), sind nicht nur leidenschaftliche Musiker, sondern wirken wie kritische Köpfe, die Vieles hinterfragen. Beide sind zudem Menschen, die nicht groß herumreden. Sie scheinen im Einklang mit sich und ihrer Umwelt zu sein.

Vater und Sohn zusammen in einer Band, geht das gut? „Kein Problem“, so die zwei entspannt. Und kritische Texte verpackt in chillige Sounds, funktioniert das? „Reiche werden immer reicher, Arme immer ärmer. Ich kämpfe für Gerechtigkeit“, sagt Marcus Moh. Selbst bei einem frühsommerlichen Konzert in der Abendsonne? Marcus Moh: „Wir machen Musik, damit die Leute mitmachen, mittanzen. Meine Texte haben aber immer eine Message.“ Sohn Marcus ergänzt: „Zu einem gewissen Grad wechselt sich Party machen und Politisches in einem Konzert ab. Solos etwa sind ein wichtiger Teil.“

Dreisprachig. Roots, Reggae, Ska, Modern Reggae und Einflüsse westafrikanischer Musik – Marcus Moh & One World Band stehen nicht nur in Bezug auf die Rhythmen für eine bunte Mischung. Die siebenköpfige Band bringt marokkanischen, algerischen und bosnischen Hintergrund mit.

Marcus Moh wurde in Mali geboren und kam Ende der 1980er Jahre nach Österreich. Er ist der Kopf der Band und schreibt die Texte selber, in den Sprachen Englisch, Französisch und Bambara.

Sein Sohn, er spielt Klavier, ist vor ein paar Jahren zur Band gestoßen. Er widmet sich abseits davon dem Jazz und studiert am Konservatorium Wien.

„My people are crying“, „Mr. President is a mafia boss“ – die Texte des 2016 erschienenen Albums „Africa cries“ beschäftigen sich mit Korruption, Ungleichheit und den Folgen des Kolonialismus.

Liveband. Besonders wohl fühlen sich Marcus Moh & One World Band auf der Bühne. „Das ist schon immer speziell“, so Marcus Moh. Sein Sohn ergänzt: „Wir wollen die Menschen dazu bringen, abzugehen.“

Wo würden sie am liebsten auftreten? „Das Südwind Straßenfest und die Afrikatage, bei denen wir auch 2017 noch spielen werden, sind schon toll“, so Marcus. Andere Festivals vielleicht noch. Für Mali wird ein großes Konzert Anfang 2018 angedacht. „Was kommt, kommt.“ Marcus Moh, der in Mali bekannter ist als in Österreich, ist es nicht so wichtig, ob er vor ein paar dutzend oder tausend Menschen singt. „Ich mache meine Musik, weil ich sie gern habe. Die Leute mögen sie oder nicht.“

Er pflegt ganz den Stil eines klassischen Reggae-Künstlers und trägt gerne Strickmütze und grün-gelb-rote Farben. Angst davor, ein Klischee zu verkörpern, hat er nicht. Und wenn bei manchen Veranstaltungen mit Afrika-Bezug Klischees reproduziert werden, von Trommelworkshops bis Kamelreiten? „Das gibt es schon, ja“, so der Sänger. „Die meisten Menschen in Afrika haben noch nie Kamele gesehen.“ Aber das stört ihn nicht, ihm geht es um die Musik. Sowieso habe man nun genug erzählt. „Die Leute sollen uns einfach hören!“

nach oben