Jagd auf JournalistInnen

Immer wieder werden ReporterInnen und FotografInnen in Kriegsgebieten selbst zum Ziel. Vernetzung mit lokaler Bevölkerung kann Leben retten.

Von Richard Solder
„Ein Journalist ist ein Bote“, „Journalisten werden nie aussterben“: Pakistanische Journalistinnen und Aktivistinnen demonstrieren und erinnern mit einem Foto an die ermordete deutsche Fotografin Anja Niedringhaus.

In den vergangenen Monaten kamen immer wieder JournalistInnen selbst in die Schlagzeilen: Mitglieder des so genannten Islamischen Staates (IS) ermordeten mehrere JournalistInnen. Aber auch in anderen Regionen gerieten ReporterInnen ins Fadenkreuz: So kam im April die erfahrene deutsche Fotojournalistin Anja Niedringhaus in Afghanistan bei einem Attentat ums Leben. Die junge französische Fotografin Camille Lepage starb, während sie über den Konflikt in der Zentralafrikanischen Republik berichtete.

Informationen aus Konfliktregionen sind wichtig und werden immer mehr zur Herausforderung: „Die Berichterstattung aus Kriegs- und Krisengebieten mutiert mehr und mehr zu einer Freifahrt in politische Geiselhaft mit tödlichem Ausgang“, kommentiert auf ihrem Blog Rubina Möhring, Präsidentin der NGO Reporter ohne Grenzen (ROG), die Entwicklungen der vergangenen Monate, vor allem in Hinblick auf den IS. In diesem Jahr sind bisher laut Angaben von ROG 51 JournalistInnen umgekommen. 2013 waren es 71.

Was können KriegsberichterstatterInnen in Anbetracht des Risikos machen? Der afghanische Journalist Ali Safi (siehe auch Südwind Magazin 9/2014) war schon auf einigen heiklen Recherchen. Er sieht Kontakte zur jeweiligen lokalen Bevölkerung als entscheidend an, nicht zuletzt für ausländische JournalistInnen: „Wenn man z.B. das Vertrauen einer afghanischen Familie hat, beschützt sie dich mit ihrem Leben, in ihrer Community ist man sicher“, so Safi im Rahmen einer Veranstaltung zum Thema Kriegsberichterstattung am Journalismus-Institut der FH Wien.

Wer über den IS berichten will, muss sich strikten Regelungen der Terrororganisation unterwerfen. Safi würde es ablehnen, so zu arbeiten. Grundsätzlich gelte es, Informationen aus Kriegsgebieten, etwa wenn sie von einer der Konfliktparteien kommen, so gut wie möglich zu prüfen. Hier könnten wiederum InformantInnen und Kontakte vor Ort sehr hilfreich sein.

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