Recht auf Stadt. Gemeinwohlorientierte Selbstorganisation in Lateinamerika

Informationsbüro Nicaragua (Hg.)

Sachbuch. Nahua Script 13, Wuppertal 2011, 110 Seiten, EUR 5,00

Seit 2008 leben weltweit mehr Menschen in urbanen Räumen als in ländlichen Gebieten: Die politische und soziale Zukunft wird vorrangig in Städten entschieden. „Vielerorts gerät die Politik in eine Legitimationskrise, wenn sie öffentliches Eigentum verkauft, große Summen in Infrastrukturprojekte investiert, die mit der privaten Bauindustrie entwickelt und von deren Vertragsdetails die Bevölkerung ausgeschlossen wird“, heißt es im Vorwort. So steht etwa die Auseinandersetzung um das Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 als Beispiel des Protestes „aus der Mitte der Gesellschaft, die kein Spielball von Politik und Wirtschaft sein will. Sie ist Symbol einer Bürgergesellschaft, die gerade angesichts knapper Mittel ihre Interessen wahren will und dabei mit neuen demokratischen Formen experimentiert“.

Mittlerweile haben die Formen des Protests eine neue Qualität erreicht, sind nicht mehr nur punktuelle Demonstrationen an beliebigen Orten: „Tomar la calle“ – die Straße nehmen – ist zu einer internationalen Metapher für die BürgerInnen geworden, die sich gegen soziales Unrecht wehren.

Auch in Lateinamerika reklamieren urbane Bewegungen das Recht, ihre Stadt, insbesondere ihr Stadtviertel mitzugestalten. Dazu gehören nicht nur Initiativen, die sich für Infrastruktur und soziale Einrichtungen einsetzen, oder Gremien kommunaler Partizipation. Auch die Grundforderung der bäuerlichen und Landlosenbewegung, „das Land denen, die es bebauen“, wird verstärkt in urbanen Regionen zum Ausdruck gebracht.

Mit dem Buch will das Informationsbüro Nicaragua Wuppertal die städtischen Sozialbewegungen in Lateinamerika an ausgewählten Beispielen darstellen. Grundlage sind aktuelle Interviews mit lateinamerikanischen AktivistInnen, die während einer Reise durch Argentinien, Uruguay, Bolivien, Peru, Ecuador und Venezuela Anfang 2011 entstanden sind.
Gabriele Müller

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