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Satire als Geschäftsmodell

Viele Medien in Hongkong kämpfen mit den Herausforderungen der Digitalisierung. Ein neuer Kanal hat großen Erfolg, dank satirischer Formate.

Von Oiwan Lam

In den vergangenen Jahren haben sich Medien in Hongkong schwer damit getan, im digitalen Zeitalter profitabel zu sein und gleichzeitig ihre redaktionelle Integrität zu wahren. Es gelang nur wenigen Unternehmen, digitale Geschäftsmodelle erfolgreich umzusetzen. Das Auftauchen des TV-Kanals TVMost und des Magazins 100Most ist eines dieser seltenen Beispiele. Ende Juli veröffentlichte Most Wai Chung Limited, das Unternehmen hinter dem beliebten Online-Satire-Sender und dem Magazin mit 1,1 Millionen FollowerInnen auf Facebook seine Wirtschaftsdaten: Zwischen April 2016 und März 2017 nahm das Unternehmen 95 Millionen Hongkong-Dollar (etwa zehn Millionen Euro) ein, das meiste davon durch digitale Anzeigen.

2010 hatten drei junge Leute, Roy Tsui, Chan Keung und Ah Bu, das Unternehmen als Start-up mit weniger als 900 Euro Kapital gegründet. Obwohl sich das Unternehmen selbst als Werbeproduktionsfirma bezeichnet, verdankt es einen Großteil seiner Bekanntheit Persiflagen auf aktuelle politische Ereignisse. Die Ausrichtung gilt als „pro-demokratisch” oder „lokalistisch”, was im Hongkonger Kontext einer positiven Betonung von Hongkonger Kultur und Werten gegenüber Festland-China gleichkommt. Der chinesische Name für Most, Mou Gei, ist als Parodie auf den Mainstream-Fernsehsender der Stadt – Television Broadcast (TVB) – zu verstehen, der auf Kantonesisch Mou Sin heißt. Auch einige der beliebtesten Formate, darunter tägliche dreiminütige Satire-Nachrichten, parodieren das TVB-Programm.

Der Erfolg von TVMost und 100Most wird im Web intensiv diskutiert. Während die einen der Überzeugung sind, andere journalistische Formate sollten vom Modell lernen, um am Markt zu bestehen, glauben andere, Infotainment à la Most könnte den Raum für seriösen Journalismus weiter beschneiden.

Oiwan Lam lebt als Medienaktivistin, Wissenschaftlerin und Lehrerin in Hongkong. Der Text erschien in einer längeren Version und in englischer Sprache auf globalvoices.org.

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