Was brauchen wir die Welt?

Eva Blimlinger über eine kulturpolitische Posse – oder wie aus dem Weltmuseum eine „Redimension“ wurde.

Eva Blimlinger

Im November vorigen Jahres ging alles ganz schnell: Weltmuseum zu teuer, Umbau nicht leistbar. „Redimensionieren“ verlautete der zuständige Bundesminister Josef Ostermayer (SPÖ) und meinte damit verkleinern und einzelne Vorhaben in Bezug auf das neue Weltmuseum streichen – etwa das Kindermuseum oder das neue Schaudepot. Und weil es ja angeblich kein Geld gibt, wurde gleich die Planung eines „Hauses der Geschichte“ verkündet; dort wo „redimensioniert“ werden soll, dort soll das Weltmuseum hin – man braucht ja nicht so viel Fläche für diese fremden Kulturen.

Rückblende: Begonnen hat die Abwertung des Weltmuseums bereits mit der so genannten Ausgliederung der Bundesmuseen Ende der 1990er Jahre. Neben anderen Institutionen wurde das Kunsthistorische Museum (KHM) in die Eigenständigkeit entlassen, als selbst finanzierende wissenschaftliche Anstalt im Eigentum der Republik. Das damalige Völkerkundemuseum, das seit 2013 unter dem Namen Weltmuseum firmiert, wurde gemeinsam mit dem Österreichischen Theatermuseum 2001 dem KHM untergeordnet. Die damals zuständige Ministerin Elisabeth Gehrer (ÖVP) kündigte zudem eine Zusammenarbeit zwischen Theatermuseum und Völkerkundemuseum an. Nicht zuletzt, so Gehrer damals im Parlament, um bei diesen kleineren Häusern Kosten zu sparen. Die so genannten Synergieeffekte bestanden allerdings vor allem darin, dass das Minus im KHM, welches der Direktor Wilfried Seipel zu verantworten hatte und durch Rechnungshofberichte an die Öffentlichkeit gelangte, durch dieses „Unfriendly Takeover“ der beiden Museen ausgeglichen werden konnte. Schon damals warnte die Opposition (und nicht nur diese) vor den Folgen dieser Zusammenlegung.

Das Experiment war eigentlich nur für vier Jahre geplant, aber dann wurde gar nicht mehr daran gedacht, die beiden Museen wieder in die Selbständigkeit zu entlassen.

2004-2007 wurde das Museum für Umbauten geschlossen. 2010 kam die Idee auf, Volkskunde- und Völkerkundemuseum zusammenzulegen, als „Museum neu“, als „Kulturenmuseum“, das „in einer im Zuge der Globalisierung multikulturell gewordenen Welt die historisch gewachsenen Einstellungen hinterfragen und lokale und regionale Identitäten in Frage stellen“ sollte, wie es in einem Konzept des Kulturministeriums damals hieß. Der Plan wurde nicht umgesetzt, leider. Offensichtlich wollte man gar nicht, dass ein eigenständiges Museum entsteht.

Schwarz-blaues Erbe. Die SPÖ vollendet, was in einer FPÖ/ÖVP-Koalition vorbereitet wurde. In den 1990er Jahren schwirrten neben der Initiative für ein „Haus der Geschichte“ auch Ideen zu einem „Haus der Toleranz“ (zu Rassismus und Genozid) in der Öffentlichkeit herum. Kulturministerin Gehrer sprach schon im Jahr 2001 von einer Umsetzung unter einem Dach.

Und jetzt also die „Redimensionierung“, dafür keinen „Korridor des Staunens“ mit wunderbaren Objekten wie eigentlich geplant, kein Kindermuseum und damit keine Förderung der Neugier und des Interesses an den unterschiedlichen Kulturen und Lebensweisen. Da bleiben wir doch lieber Österreicherinnen und Österreicher, was brauchen wir die Welt?

Die Historikerin Eva Blimlinger war von 1998 bis 2003 Forschungskoordinatorin der Historikerkommission der Republik Österreich, lehrte danach an verschiedenen österreichischen Universitäten und ist seit 2011 Rektorin der Akademie der bildenden Künste Wien.

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