Horchposten Hosp

Notizen zu 26 Stunden Flamencomusik

Von Albert Hosp
Francisco Sánchez Gómez alias Paco de Lucía, geboren am 21.12.1947. Den Künstlernamen legte er sich aus Verehrung seiner Mutter zu. Ihr, Luzias Geburtsort, Castro Marim (Portugal), war dann auch der Titel einer LP, anno 1981. Da war er bereits der berühmteste, und umstrittenste, Flamenco-Musiker der Welt.
Paco de Lucía begann als Wunderkind. Seine ersten Aufnahmen (1964) erinnern an einen wilden, ununterbrochen rasend strömenden Fluss. Die ersten Eigenkompositionen, Ende der 1960er Jahre, lassen bereits durch Akkorde und Melodien aufhorchen: Hier bricht einer bewusst mit der Erwartungshaltung des Publikums. Da wirken die Duo-Aufnahmen mit Pacos Bruder Ramón de Algecíras wie Urlaubs-Klänge, bei denen auch einmal ungeniert in den Kitschtopf gegriffen wird. Die Erweiterung des Flamenco-Ensembles durch E-Baß, Saxophon und vielfältiges Schlagwerk war dann letztlich nur die Umsetzung seiner solistischen Gedanken auf einer spektakulären Ebene, wobei ein anderer Bruder, Pepe de Lucía, mit seinem Gesang dafür sorgte, dass der Kontakt zur Tradition nie wirklich abbrach.

Apropos Spektakel: Die Zusammenarbeit mit Gitarristen aus anderen Stilbereichen (John McLaughlin, Al di Meola) wirkt aus heutiger Sicht wie eine extrovertierte, gut gelaunte Jamsession. Dabei befasste der sich der Flamenco-Star übrigens zum ersten Mal mit Improvisation; nach seiner eigenen Aussage ist der Flamenco eine bis ins kleinste Detail durchdachte und „komponierte“ Musik.
All das ist anhand einer 26 CDs umfassenden Box nachvollziehbar, die das Schaffen von Paco de Lucía zu würdigen sucht. Die bislang letzte, eine rein akustisch gespielte, wiederum als Hommage an seine Mutter angelegte CD, stammt aus dem Jahr 1998. Noch heuer soll eine neue erscheinen.

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