Liebe Südwind-Redaktion!

Wer in Kampala von A nach B gelangen will, schwingt sich auf ein Boda Boda. Die Motorradtaxis sind nicht das schnellste Transportmittel für Lasten und Personen, weil der Gashebel bis zum Anschlag gedrückt wird, sondern weil sie wendig sind und ihre Fahrer jede Verkehrsregel ignorieren.

Ich muss ins Zentrum, zum Zahnarzt. Vor uns: Stau. Wir quetschen uns zwischen kriechenden Transportern, Allradfahrzeugen, Sammeltaxis vorwärts. Mein nacktes Knie schrammt am Reifen eines LKW, vor dessen Stoßstange genug Platz bleibt, um auf das holprige Bankett zu wechseln, das vielen als Gehsteig dient. Der Boda-Fahrer hinter uns tut es uns gleich. Auf seinem Tank sitzt ein Kleinkind, auf dem Sozius der Rest der Familie: Mama, Papa und ein Baby. Andere drängen nach, das Bankett wird zur Boda-Rennstrecke. Zu meiner Linken lässt sich eine elegante Geschäftsfrau im Damensitz chauffieren, rechts überholt ein Boda mit einem riesigen Hühnerkäfig, an dessen Rahmen noch Vögel an ihren Beinen gefesselt baumeln. Einer hackt nach mir. Im Kreisverkehr angekommen wählt mein Fahrer den kürzeren Weg – gegen die Fahrtrichtung. Wie Mücken um eine Lichtquelle wirbeln die Boda Bodas um die Verkehrsinsel. Ein entgegenkommender Boda-Fahrer, der links und rechts und bis in eine Höhe von zweieinhalb Metern Matratzen aufgepackt hat, stürzt beim Ausweichmanöver geräuschlos. Diesmal ist ihm nichts passiert.

Endlich am Ziel! Für den fünf Kilometer-Höllenritt erhält der Fahrer einen Euro aus zittrigen Händen. Dem Termin beim Zahnarzt sehe ich jetzt gelassen entgegen. Vielleicht hat er sogar ein Pflaster für mein Knie.
Petra Navara

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