Albrecht Heise: Der alltägliche Ausnahmezustand

Kongo im Chaos

Von MaK
Picus Reportagen. Picus Wien, 2006, 189 Seiten, EUR 14,90

Der frühere ZDF-Journalist, freie Autor und Filmemacher Albrecht Heise hat sich für seine Kongo-Reportage einen ungewöhnlichen Aufhänger gesucht. Im Zentrum steht der deutsche Emigrant Hans, der in den 1970er Jahren vor dem deutschen Staatsanwalt in den Kongo floh und heute als angesehener Geschäftsmann in Kinshasa lebt. In kurzen, lose aneinander gereihten Kapiteln zeichnet der Autor das Portrait einer von jahrzehntelanger Diktatur, Krieg und Korruption demoralisierten Gesellschaft. Roter Faden ist die widersprüchliche Biographie eines weißen Abenteurers, dessen Karriere auf diesem Boden offenbar prächtig gedieh.
Spannender Stoff, interessante Perspektive. Allerdings gibt sich der Autor damit nicht zufrieden, sondern muss in einem Aufwaschen gleich den ganzen Kontinent repräsentieren. Da strotzt es nur so von beiläufig eingestreuten „Afrikas“. Gleich im ersten Satz erfahren wir, dass dieses Buch „eine Momentaufnahme“ – nicht etwa von einem spezifischen Land und einer spezifischen Situation, sondern – „von Afrika“ ist. Der desolate Zustand des Kongo ist „Beispiel für den Zustand ganz Schwarzafrikas“, Prostitution ist „ein urafrikanischer Weg“ und selbst der Durchfall des Piloten ist „Afrika eben“. Wo der Afrika-Reflex so stark ist, ist auch die „Lösung für Afrika“ nicht weit, wie sie Heise laut schon im Vorwort verkündet: Schluss mit Entwicklungshilfe, keine Milliarden mehr für Afrika.
Viel unnötiger Überbau für eine Geschichte, deren Spannung im Detail, in dem gewählten Ausschnitt liegen könnte. Auch gelingt es dem Autor nicht, eine eigenständige, differenzierte und differenzierende Sicht zu dem Rassismus zu entwickeln, den er von innen, von der Identifikation mit Hans’ Sicht der Dinge her, in den Griff zu bekommen versucht. Und darin – nicht etwa in der großspurigen, bewusst nicht politisch korrekten Erzählgeste – liegt das Beunruhigende dieses Texts.

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