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Azzan Alalawi ist 25 Jahre alt und Besitzer eines Restaurants. Eine erfolgreiche Start-up-Geschichte aus Omans Hauptstadt Maskat, die auch viel über das Land erzählt.

Von Flavia Forrer

Azzan Alalawi in traditionellem omanischen Männergewand, mit Dischdascha-Kleid und Kumma- Kopfbedeckung.© Ruqaiya Alalawi

Sieben Jahre hat es gedauert. So lange musste Azzan Alalawi warten, und sparen. „Endlich ist mein Traum wahr geworden“, sagt er mit glänzenden Augen und einem Lächeln im Gesicht. Sein Wunsch war es, ein eigenes Restaurant zu eröffnen. Nun sitzt er in seinem kleinen, aber feinen Burgerladen am Rande von Maskat, der Hauptstadt des Omans. Seit rund vier Monaten hat er geöffnet, Alalawi verbringt hier seither viel Zeit – oft bis tief in die Nacht. 25 Jahre jung und bereits Restaurantbesitzer: Das ist im Oman eine Besonderheit.

Der gebürtige Maskater mit dem Dreitagebart wirkt aufgeweckt. Seine Augen strahlen Begeisterung und Fröhlichkeit aus. Die kurzen, dunklen Haare stecken unter einem runden, hellblau bestickten Hut namens Kumma, seinen Körper versteckt er unter einer traditionellen omanischen Dischdascha: ein weites, knöchellanges und kragenloses Männerkleid mit langen Ärmeln, das meist weiß ist.

Alalawis Dischdascha ist anthrazitfarben. Modebewusste Männer würden es in allen möglichen Farben tragen, erklärt Alalawi lächelnd.

Die Dischdascha kann man mit dem Hemd vergleichen – sowohl für den Alltag geeignet als auch für Geschäftstermine.

Alalawi, der aus einer wohlhabenden Familie stammt, führt sein Lokal gemeinsam mit seinem Cousin. Alleine hätte er es nicht finanzieren können. Wie in vielen Ländern kriegen Omanis ohne Arbeit keinen Kredit von der Bank. Deshalb hat ihn nicht nur sein Cousin, sondern auch seine Mutter bei der Finanzierung unterstützt. Insgesamt benötigten sie umgerechnet 46.000 Euro Startkapital.

Das kleine Restaurant, das sich inmitten einer Wohnsiedlung befindet, hat Alalawi „Joker Burger & Sweet“ genannt. Der Name ist ihm während des Kartenspielens in den Sinn gekommen: „Wenn jemand den Joker auf der Hand hat, ist seine Chance zu gewinnen sehr hoch.“

Das Restaurant soll nun seine Jokerkarte sein. Bis jetzt ist er auf gutem Weg. Seit Beginn mache er Gewinn und schon bald müsse er von vier auf fünf oder sechs Angestellte aufstocken. Allerdings braucht er auch dafür Hilfe, und die kommt aus dem Ausland.

MigrantInnen-Power. Im dünn besiedelten, erdölreichen Land stammen von den insgesamt 4,6 Millionen EinwohnerInnen rund zwei Millionen aus dem Ausland. MigrantInnen kommen vorwiegend aus Bangladesch, Indien oder Pakistan.

Bei Alalawi arbeiten Menschen aus Nigeria. Abgesehen von der Tatsache, dass es wenige einheimische Arbeitskräfte gibt, sind diese teurer als ausländische: „Omanischen Leuten müsste ich viel mehr zahlen. Mein Budget ist limitiert“, gibt Alalawi offen zu.

Für einheimische Arbeitskräfte ist ein Mindestlohn festgelegt. Sultan Qabus ibn Said, der 78-jährige Langzeitherrscher, der gleichzeitig Staatsoberhaupt, Ministerpräsident, Außenminister, Finanzminister, Verteidigungsminister sowie Oberbefehlshaber der Streitkräfte und der Polizei ist, hat in den 1990er Jahren die sogenannte Omanisierung des Arbeitsmarktes ins Leben gerufen. Damit will die Regierung Arbeitsplätze für die jährlich über 50.000 omanischen Schul- und UniversitätsabgängerInnen schaffen. Eine von vielen Maßnahmen ist etwa die Reservierung bestimmter Berufe für omanische Staatsangehörige. Dazu erließ die Regierung Anfang 2018 eine Visasperre für 87 Berufe, die nun ausschließlich Omanis ausüben sollen. Zudem unterliegen die meisten ZuwanderInnen dem sogenannten Kafala-System: Das Visum sowie das Bleiberecht sind an einen Arbeitsvertrag geknüpft.

Staaten der arabischen Halbinsel werden immer wieder international für die Ausbeutung ausländischer ArbeiterInnen kritisiert.

Spiegelbild. Ganz klar: MigrantInnen im Oman wie jene, die im „Joker Burger & Sweet“ arbeiten, sind für die schnelle wirtschaftliche Entwicklung des Landes wesentlich mitverantwortlich. Nur dank dem Einsatz vieler Arbeitskräfte aus dem Ausland stieg der Reichtum des Landes seit Beginn der Erdölförderung ab den 1970er Jahren. So spiegelt Alalawis Start-up-Erfolg zu einem gewissen Grad die Entwicklung des Landes wider.

Alalawi mag es, Leute aus aller Welt kennenzulernen. Er begrüßt die Offenheit gegenüber dem Tourismus in seinem Land, in dem er einen Schlüsselsektor für die wirtschaftliche Diversifizierung sieht. Sein persönliches nächstes Ziel, passend dazu: Ein Restaurant mit lokalen Spezialitäten für TouristInnen zu eröffnen.

Flavia Forrer studiert Internationale Entwicklung an der Uni Wien, verfolgt mit Interesse das Geschehen im Nahen Osten und berichtet hier von ihrer letzten Reise in den Oman.

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