Alternative Entwicklungen in Lateinamerika

Von Christina Schröder ·

Journal für Entwicklungspolitik

Mandelbaum Verlag, Wien 2005, 156 Seiten, 19,80

Die Ausgabe „Alternative Entwicklungen in Lateinamerika“ des Journals für Entwicklungspolitik (2/2005) beschreibt und analysiert, ausgehend vom Hintergrund der Krise des Neoliberalismus in Lateinamerika, die Gemeinsamkeiten und Widersprüche der Strategien der alternativen Bewegungen. Eingebettet in die Strukturen der Nationalstaaten und Gesellschaften werden die sich daraus ergebenden unterschiedlichen Wege der Bewegungen nachgezeichnet.
Dabei wird das Veränderungspotenzial verschiedener Grundzüge von sozialen Kämpfen und Bewegungen beleuchtet, ohne jedoch in einen mechanischen Strukturalismus zu verfallen. Vielmehr wird die Subjektivität der verschiedenen emanzipatorischen Projekte herausgearbeitet, die aufgrund der Delegitimierung der traditionellen politischen Strukturen in den Köpfen und Lebenspraxen der Menschen entstehen und sich ausweiten konnten.
Die Einführung gibt einen konzeptionellen Überblick, um die alternativen gesellschaftlichen Entwicklungen im heutigen Lateinamerika theoretisch zu verorten.
Anhand konkreter Fallanalysen – etwa Ressourcenkonflikte, die Transformation der Arbeitsprozesse in Brasilien, die Rolle der Landlosenbewegung MST, das alternative Medienprojekt der Zapatisten, das alternative Staatsprojekt Venezuelas u.a. – wird die dynamische Entwicklung emanzipatorischer Bewegungen untersucht. An den Beiträgen ist die analytische und theoretische Tiefe besonders interessant, da die AutorInnen nicht bei deskriptiven Beschreibungen stehen bleiben, sondern viel mehr die Widersprüche und die Debatten innerhalb der Bewegungen aufgreifen und fruchtbar aufarbeiten. Durch die Vielfalt der ausgewählten Fallbeispiele wird ein wirksamer Beweis dafür geliefert, dass in Lateinamerika Alternativen zu den propagierten neoliberalen Modellen nicht nur gesucht, sondern auch gelebt werden.

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