Atempause für Antananarivo

Nach unruhigen Jahren erlebte Madagaskar endlich eine friedliche Wahl. Aber Hery Rajaonarimampianina, der neue Präsident, steht vor einer Mammutaufgabe.

Von Richard Solder
Strahlender Sieger: Hery Rajaonarimampianina konnte sich in der Stichwahl durchsetzen.

Langer Name nach langer Durststrecke: Hery Rajaonarimampianina ist der neue Präsident Madagaskars. Fünf Jahre nach dem Putsch hat der Inselstaat damit wieder ein gewähltes Staatsoberhaupt. Rajaonarimampianina ist nicht nur der „Präsident mit dem längsten Namen der Welt“, wie er scherzhaft genannt wird, sondern auch der ehemalige Finanzminister Madagaskars.

Die Wahlkommission des Landes hatte Anfang 2014 den Sieger verkündet. Zwar sprach das Lager um Konkurrent Jean Louis Robinson von Wahlbetrug, Expertinnen und Experten gehen aber nicht davon aus, dass das Wahlgericht noch am Sieg Rajaonarimampianinas rüttelt. Beobachterinnen und Beobachter hatten keine massiven Wahlfälschungen gemeldet.

Robinson hatte im ersten Wahldurchgang noch geführt. Bei der Stichwahl unterstützten dann viele der insgesamt 31 ausgeschiedenen Kandidatinnen und Kandidaten „Hery“, wie Rajaonarimampianina der Einfachheit halber oft gerufen wird. So konnte dieser 53,5 Prozent der Stimmen holen und Robinson um sieben Prozent überflügeln.

Nach unruhigen Jahren braucht der arme Inselstaat östlich des afrikanischen Festlands dringend Stabilität. 2009 putschte sich Andry Rajoelina, bis dahin Bürgermeister der Hauptstadt Antananarivo, an die Macht. Auch in den Jahren davor gab es immer wieder Turbulenzen, nicht zuletzt rund um den Sieg von Marc Ravalomanana bei den Wahlen 2001.

Korruption und die 2009 nach dem Putsch von der Afrikanischen und der Europäischen Union eingeführten Sanktionen führten dann zu politischem Stillstand. Viele Geber von Entwicklungshilfe stoppten nach dem Coup ihre finanzielle Unterstützung.

Vor 2009 verzeichnete Madagaskar ein jährliches Wirtschaftswachstum von durchschnittlich fünf Prozent. Heute stagniert die Wirtschaft. Nach Schätzungen der Weltbank leben neun von zehn Madagassinnen und Madagassen unter der offiziellen Armutsschwelle von zwei US-Dollar am Tag. Dabei ist die Insel reich an Bodenschätzen. Und etwa auch beim Tourismus hätte Madagaskar viel Potenzial.

Ist Rajaonarimampianina die richtige Person für die schwierige Aufgabe, das Land nach vorne zu bringen? Viele bezweifeln das, gehört er doch als einstiger Finanzminister unter Rajoelina zum „alten System“. Ob er eine Marionette des ehemaligen Machthabers ist oder wirklich etwas bewegen will, wird sich erst zeigen. Zu Gute gehalten wird dem ausgebildeten Ökonom, dass er als Finanzminister den Ariary, die madagassische Währung, stabil und die Inflation gering halten konnte. Und das in einer Zeit, in der die Entwicklungshilfe gekürzt und Handelsbeziehungen mit dem Inselstaat gekappt wurden.

Die Herausforderung ist groß. Aber nach den friedlichen Wahlen hat Madagaskar eine historische Chance. Wenn Rajaonarimampianina sie nutzt, wird sein Name wohl vielen Menschen im In- und Ausland lange im Gedächtnis bleiben. Und das nicht nur wegen seiner Länge.

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