Ausgezeichnet

Von Hamdi Hassan · · 2026/Jul-Aug
Gedanken von Welt

Als mir der Bock-Preis für mein ehrenamtliches Engagement als Übersetzerin verliehen wurde, ist mir erst so richtig bewusst geworden, was ich geleistet habe.

Das klingt seltsam, oder? Aber wissen Sie, wenn es einen weltweiten Preis für ehrenamtliches soziales Engagement gäbe, dann müsste der an die Menschen in Somalia gehen. Und: Die würden sich, so wie ich anfangs, fragen, was das soll. Als ich meiner Mama am Telefon von meiner Auszeichnung erzählt habe, freute sie sich, war aber auch sehr überrascht.

Denn: Das gegenseitige Unterstützen ist bei uns eine Selbstverständlichkeit, weil es überlebenswichtig ist. Es ist das soziale Netz, das wir gemeinsam aufrechterhalten müssen – in einem Land im Kriegszustand, wo es dürrebedingt immer wieder zu Hungersnöten kommt, in dem der Staat kaum Sozialleistungen bietet.

Ob Geld, Haus, Zeit oder Essen, wer gerade genug hat, teilt mit jenen, die gerade zu wenig haben. In Somalia habe ich immer wieder bei Verwandten gewohnt und dafür im Haushalt mitgeholfen. Gekocht wird nicht für eine oder zwei Personen, es gibt viel mehr große als kleine Töpfe. Heute unterstütze ich meine Familie finanziell.

Als ich nach Österreich kam, musste ich rund zwei Jahre in einem Heim auf meinen Asylbescheid warten. Ich durfte nicht arbeiten, hatte nichts zu tun. Also teilte ich von Tag eins an das, was ich hatte, mit denen, die meine Hilfe benötigten: meine Zeit und meine Sprachkenntnisse. Andere gaben mir etwas von ihrem Essen ab oder boten mir vorübergehend eine Unterkunft.

Heute, über zehn Jahre später, arbeite ich als Übersetzerin in Vollzeit. Das Ehrenamt mache ich in meiner Freizeit, weil ich nie auf die Idee gekommen bin, damit aufzuhören. Und ja, es ist anstrengend, aber es ist auch bereichernd Teil eines Netzwerks zu sein, das aus Geben und Nehmen gestrickt ist. Gerade in Zeiten, in denen der österreichische Staat die Sozialleistungen kürzt, würden wir alle davon profitieren, uns mit den Mitteln, die uns zur Verfügung stehen für unsere Mitmenschen einzusetzen, statt danach zu trachten uns gegenseitig etwas wegzunehmen.

Hamdi Hassan ist freie Journalistin, Gesundheitmentorin sowie Dolmetscherin und Übersetzerin. Sie kommt aus Somalia und lebt seit 2015 in Österreich, seit 2018 mit ihren zwei Kindern.

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