Bio-Pfeffer

Von Dierk Jensen ·

Das große Geschäft mit dem wichtigsten Gewürz der Welt machen internationale Lebensmittelkonzerne. Im indischen Kerala versuchen Pfefferbauern ökologischen Anbau und Direktvermarktung.

Die Schreie sind schon von der Straße aus zu hören. „Fifty“, „Fifty-five“, „Fifty-nine“, „No!“ „Sixty?“ brüllen die Pfeffer-Broker ihre Gebote. Sie dringen durch das alte Gemäuer in Cochin, hinter dem sich die indische Pfefferbörse, International Commodity Exchange for Pepper, befindet.

Begünstigt durch die geographische Lage, mitten im Pfefferland Kerala und an der Küste des Arabischen Meeres, war die Stadt schon lange vor der europäischen Kolonialzeit wichtiger Umschlagplatz für Kardamom, Pfeffer und Ingwer.

Im Dezember beginnt in Tausenden Kleinbetrieben in Kerala die Pfefferernte. So auch bei Arancheril, der vor sechs Jahren auf organischen Anbau umgestellt hat. Dann steigen SaisonarbeiterInnen auf Bambusleitern die Stämme hoch, um an die Rispen zu gelangen, an denen die Pfefferbeeren wie grüne Perlenketten hängen.

Um schwarzen Pfeffer zu gewinnen, werden die Beeren grün und unreif gepflückt, danach zum Trocknen in die Sonne gelegt. So lange, bis sie schließlich schwarz und runzelig sind. Dieser Trocknungsprozeß entfällt beim grünen Pfeffer, der sofort nach dem Pflücken zur Konservierung in eine essighaltige Lake eingetaucht wird. Eine Verarbeitung, die nicht auf den Höfen der Pefferbauern stattfindet. Deshalb wird das frische Erntegut für grünen Pfeffer sofort an Händler weitergegeben, die die Ware über Nacht zu Spezialbetrieben transportieren. Nur drei bis vier Prozent der gesamten Pfefferernte Indiens werden zu grünem Pfeffer verarbeitet.

Bei der letzten Ernte, einer, wie alle ExpertInnenen sagen, „sehr guten Ernte“, sind in Indien rund 80.000 Tonnen Pfeffer angefallen, wovon rund 40 Prozent in den Export gehen. Angebaut wird das Gewürz in den Bundesstaaten Karnataka, Tamil Nadu und zu 80 Prozent in Kerala.

Die Weltproduktion liegt derzeit bei 180.000 Tonnen.

Neben Indien kämpfen Indonesien, Malaysia, Brasilien und in den letzten Jahren verstärkt auch Vietnam um die Märkte.

Wieviel davon aus ökologischem Anbau kommt, wissen nicht einmal die Statistiker des in Cochin sitzenden „Indian Spices Board“.

Dabei ist Peffer keine klassische Plantagenkultur. So liegt die Hälfte der Gesamtproduktion in den Händen von Kleinbauern, die Pfeffer als eine unter vielen anderen Marktfrüchten kultivieren.

Fast auf jedem Bauernhof in Kerala ist das rankende Gewächs zu sehen; einige Bauern produzieren das Gewürz nur für den Eigenverbrauch und als Reserve für schlechte Zeiten.

Biologisch angebauter Pfeffer ist nach wie vor die Ausnahme, wenngleich das staatliche Spices Board die Umstellung auf den ökologischen Anbau offensiv unterstützt: Es berät beim Anbau und beteiligt sich am Zertifizierungsverfahren. „Wir merken, daß im Westen ein neuer Markt entsteht und wir versuchen darauf zu reagieren“, erklärt Sreekantan Thampi, Vizepräsident des Indian Spices Board.

Baby Sebastian ist Bauer mit einem Besitz von 2,5 Hektar Kulturfläche. Er baut seinen Pfeffer seit einigen Jahren ohne Chemie an und kämpft mit biologischen Mitteln gegen Schädlinge und Krankheiten: In den Cardamom Hills, in Ganapatty Plackat im Idukki Destrikt in 1000 Meter Höhe kombiniert er den Anbau von Tee, Bananen, Kardamom, Silbereichen und Korallenbäumen, an denen der Pfeffer emporklettert. Der Korallenbaum als Leguminose ist sehr wichtig als Dünger für den Boden und dient überdies als Viehfutter.

Sebastian ist Mitglied des „Sahyadri Farmer Consortium“, einem Zusammenschluß von cirka 600 Kleinbauern der näheren Umgebung. Sie betreiben Bioanbau auf Flächen zwischen einem Viertel bis drei Hektar. Nicht immer ein leichtes Unterfangen: Die Pythopthera, ein Fäulnispilz, ist derzeit das größte Problem von Sebastian. „Gegen die ist man machtlos, wenn sie nicht rechtzeitig mit Kupfersulfat präventiv bekämpft wird“, berichtet der Bauer.

Seit 18 Jahren betreibt Sebastian mit seiner Familie die Farm, die früher Teil eines Teegartens war. Stück für Stück wandelte Sebastian die Monokultur in einen jetzt ertragreichen Mischforst um, auf dem der 43jährige inzwischen sechs Mitarbeiter beschäftigt.

Die letzte Ernte brachte prall gefüllte Körbe: Rund vier Tonnen Pfeffer lagern im gemeinsamen Kontor des Consortiums in der Distrikhauptstadt Kumily . Der Pfeffer liegt dort solange, bis die beauftragte Vermarktungsorganisation, die Peermade Development Society (PDS), die von einer holländischen Agentur zertifzierte Bioware vermarktet hat.

Vom doppelt so hohen Preis für Biopfeffer bekommen Sebastian und seine Kollegen nur ein Viertel. 25 Prozent gehen an die PDS, die für Marketing, Schulbildung und Beratung aufkommt. Die restlichen 50 Prozent werden an das bäuerliche Consortium abgeführt, das mit dem Geld seine Kosten für Verwaltung, Transport und Lagerung bezahlt. Der größte Teil des Biopfeffers in Kerala wird derzeit von der holländischen Firma Euroherb gekauft.

„Seitdem die Gewürze aus den fünf Prozent gestrichen wurden, die beim deklarierten Bioprodukt nicht aus dem Ökolandbau kommen müssen, wächst der Bedarf an Biogewürzen in Europa stark an“, erklärt Agraringenieurin Birgit Boor vom Beratungsbüro „Bioherb“ in Witzenhausen. Die Chancen stehen also gut für den Biopfeffer aus den tropischen Gärten Keralas.

Der Autor ist freier Journalist und lebt in Hamburg.

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