Black Lives Matter, wenn es ins Konzept passt

Nach Corona gab es kaum ein wichtigeres Thema als die Black Lives Matter-Bewegung. Protestiert wird gegen Rassismus, den Schwarze Menschen auf diesem Planeten seit Urzeiten ertragen müssen.

Von Imoan Kinshasa

Ignoranz. Das ist das dahinterliegende Problem vieler unreflektierter Fragen. Nach der Ermordung des Afroamerikaners George Floyd durch einen weißen Polizisten in Minneapolis und dem weltweiten Aufschwung der Black Lives Matter-Bewegung habe ich – wie viele andere AktivistInnen – zahlreiche Interviews gegeben. Ich wurde zum Beispiel gefragt, ob Rassismus in Österreich existiere.

Wer will, der findet auf Twitter, Instagram und Facebook Erfahrungen, Vorfälle und den Schmerz von Menschen, die täglich von Rassismus betroffen sind.

Ab und an berichten auch die Medien über rassistische Vorfälle. Aber nicht oft genug. Schließlich bringt es mehr Klicks, wenn ein Ahmed im Billa ein Snickers klaut. Wer also erst jetzt bemerkt, wie präsent der Anti-Schwarzen-Rassismus auch in Österreich ist, der hat es sein Leben lang tunlichst vermieden, sich der Realität anderer Menschen zu stellen.

Zuviel passiert. Warum muss der x-te Schwarze seinen letzten Atemzug unter dem Knie eines rassistischen Polizisten tun, damit ihr endlich alle zuhört? Warum ist Anti-Schwarzen-Rassismus in der Gesellschaft erst dann relevant, wenn schon viel zu viel passiert ist?

Dass Rassismus ein System ist, erkennt man am mangelnden Interesse der Gesellschaft, diesen zu beseitigen. Aber auch daran, das dessen Opfer nahezu keine Chance haben, Gerechtigkeit zu erfahren.

Sei es, dass Menschen nach rassistischem Verhalten die Konsequenzen ihres Handelns nicht tragen müssen, oder, dass man vor Gericht trotz Antidiskriminierungsgesetzen in der Praxis keine Chance hat, erfolgreich gegen Rassismus zu klagen.

Entschuldigungen für Rassismus werden brav runter gebetet: „Ach, der ist eh eigentlich ein Lieber, der meint das nicht so“ oder „Oh, die kommt vom Land, da redet man eben so und weiß es nicht besser“.

Die Lösung für das Rassismusproblem ist anscheinend, dass sich Parteien, Organisationen und Firmen mit Schwarzen Menschen schmücken. Werden Schwarze Menschen von eben diesen diskriminiert, werden sie anschließend oft zu PR-Zwecken instrumentalisiert, um wieder gut dazustehen.

Schweigen ist Gewalt. Der erste Schritt ist, sich aktiv und bewusst für die Anliegen der von Anti-Schwarzen-Rassismus Betroffenen einzusetzen. Auch wenn das heißt, dass man zur Spaßbremse wird. Einen Post teilen und ein Demo-Schild basteln reichen einfach nicht mehr aus.

Denn: Rassismus spaltet die Gesellschaft. Und das einzige Heilmittel sind Selbstreflektion, soziale Kontrolle, Weiterbildung und ein Systemwandel.

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