Burma – Fakten

Von Redaktion ·

Burma stellt nur spärliche und unzuverlässige Informationen über grundlegende Indikatoren bereit. Internationale Organisationen haben nur beschränkt Zugang.

Grundlegende Informationen

Bevölkerung: Je nach Quelle 48,37 Mio. (2006; UNICEF), 49 Mio. (aktuell; UN-Wirtschafts-und Sozialausschuss für Asien und den Pazifik) bzw. 51 Mio. (2006; Weltbank). Die letzte landesweite Volkszählung fand 1931 statt, 1983 wurde ein Teilzensus durchgeführt.
Ethnische Zusammensetzung: In Burma leben rund 120 verschiedene ethnolinguistische Gruppen. Die Anteile der wichtigsten Gruppen (Schätzungen): Bamar oder Birmanen 69%, Shan 8,5%, Karen 6,2%, Arakanesen 4,5%, Mon 2,4%, Chin 2,2%, Kachin 1,4%, Karenni 0,4%, andere indigene Völker 0,1% sowie Gruppen ausländischer Herkunft 5,3% (z.B. aus Indien und China).
Religion: Der Buddhismus dominiert, gefolgt von Christentum, Islam und Animismus. (1)
Regierung: Militärregierung – Staatsrat für Frieden und Entwicklung (SPDC). Staatschef: General Than Shwe.

Wirtschaft

Korruption, eine fehlgeleitete Wirtschaftspolitik der Militärregierung und niedrige Investitionen sorgen dafür, dass Burma trotz seines Reichtums an natürlichen Ressourcen (Erdöl, Erdgas, Holz, Edelsteine) ein armes Land bleibt.
  • Burma ist der zweitgrößte Produzent von Opium (nach Afghanistan) und ein wichtiges Produktionsland von Methamphetaminen (1)
  • Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf: 182 US-Dollar (1)
  • Inflation: 54% (Schätzung für 2006) (1)
  • Wichtige Handelspartner: Thailand, China, Singapur, Indien, Hongkong
  • Exodus: Die Arbeitsmigration in Nachbarländer hat enorme Ausmaße. Allein in Thailand dürften zwei Mio. BurmesInnen leben. (5)

    Beschäftigung nach Sektoren: (3)
    Landwirtschaft 63%, Dienstleistungen 25%, Industrie 12%.



    Gesundheit

    Burma gehört zu den Ländern mit den geringsten Gesundheitsausgaben.
  • Lebenserwartung: 61 Jahre
  • Kindersterblichkeit (unter 5 Jahren) pro 1.000 Lebendgeburten: 104 (Australien und Kanada: 6)
  • Untergewicht unter 5 Jahren (2000-2006): 32% (2)
  • Öffentliche Gesundheitsausgaben in % des BIP: 0,3% (3)


    HIV/Aids (4)
    Inzidenz in der erwachsenen Bevölkerung: 1,3%
    HIV-positive und an Aids erkrankte Menschen: 360.000.

    Jährlich, Schätzung
    HIV-Neuinfektionen 27.000
    Neue Aids-Fälle 40.000
    Todesfälle in Zusammenhang mit Aids 38.000


    Menschenrechte

    Die letzten Wahlen von 1990 wurden von der oppositionellen National League for Democracy gewonnen, auf die mehr als 82% der Abgeordnetenmandate entfielen. Die Ergebnisse wurden vom Militärregime für ungültig erklärt.

    Flüchtlinge und Vertriebene
    Burma hat keine Feinde unter seinen Nachbarn. Die Armee ist hauptsächlich in Gebieten mit nicht-burmesischer Bevölkerungsmehrheit stationiert, vor allem im Osten des Landes. Neben der Bekämpfung bewaffneter Autonomiebewegungen wird sie dazu eingesetzt, Land für kommerzielle Nutzungen wie etwa für Staudämme und Bergbauprojekte vorzubereiten und die Zivilbevölkerung zur Zwangsarbeit und Bereitstellung anderer Ressourcen zu nötigen. Dabei kommt es auch verbreitet zu Vergewaltigungen durch Soldaten, vor allem in den Teilstaaten („States“) Karen, Shan und Chin.

    2006 waren in Ostburma 273 Bataillone im Einsatz. In diesen Regionen wurden von 1996 bis 2006 3.000 Dörfer zerstört, die Bevölkerung zwangsumgesiedelt oder in die Flucht getrieben.



    Armee
  • Mit 488.000 aktiven Angehörigen ist die burmesische Armee die Nr. 12 der Welt.
  • Die Verteidigungsausgaben werden auf 22% des Budgets der Zentralregierung geschätzt. (2) Burma dürfte zu den 15 Ländern mit den höchsten Militärausgaben gehören (8).
  • Waffenlieferanten Burmas: Russland, Ukraine, China und Indien.
  • Zwangsrekrutierungen sind an der Tagesordnung. In Burma dürfte es die meisten KindersoldatInnen der Welt geben.
  • Die Moral der Truppen ist ebenso niedrig wie die Bezahlung. 2006 nahm die Zahl der Desertionen um acht Prozent zu.

    Gefängnisse
  • In Burma gibt es 43 Gefängnisse und 91 Arbeitslager. (6) In den Arbeitslagern kommt es zu zahlreichen Todesfällen durch Überarbeitung.
  • Die Zahl der Häftlinge lag 2007 bei 60.000. (3) Zusätzlich werden viele Menschen für bis zu zwei Wochen in Untersuchungshaft genommen.
  • Es gibt 39 bekannte Verhörzentren (Folterzentren); Verhöre können aber auch in Regierungsgebäuden stattfinden, die für andere Zwecke bestimmt sind. (7)

    Infrastruktur

    Telekommunikation (3)
    per 1.000 EinwohnerInnen
    Festnetzanschlüsse 9
    Mobiltelefone 4
    InternetnutzerInnen 2

    Nur elf Prozent der Bevölkerung leben in Gebieten mit Elektrizitätsversorgung. 2005 hatten schätzungsweise 45 Mio. Menschen keinen Anschluss an das Stromnetz. (3)

    Investieren in Burma

    Trotz zahlreicher internationaler Sanktionen investieren ausländische Unternehmen weiter in Burma, wovon das Regime finanziell profitiert. Zu den in Burma aktiven Unternehmen gehören: (10)

    Chevron: Der riesige US-Ölkonzern ist einer der Partner bei der Entwicklung des Offshore-Gasfelds Yadana, woran die Militärregierung Millionen Dollar verdient.
    China National Petroleum Corporation: Chinas größtes Öl- und Gasunternehmen ist seit mehr als zehn Jahren in Burma tätig.
    Daewoo: Der südkoreanische Konzern verfügt über mehrere Beteiligungen bzw. Joint Ventures, darunter in der Gasexploration und der Automobilindustrie.
    Electricity Generation Authority of Thailand: Beteiligt an der Errichtung von fünf Megastaudämmen am Salween-Fluss, die zu umfangreichen Zwangsumsiedlungen führen wird.
    Ivanhoe Mines: Das kanadische Unternehmen betreibt gemeinsam mit der Regierung das Kupferbergwerk Monywa. Bei der Errichtung der Bahnverbindung und Energieversorgung des Gebiets wurden ZwangsarbeiterInnen eingesetzt.
    Mitsui: Der japanische Konzern betreibt ein Joint Venture mit der Regierung.
    Suzuki: Produziert Motoren im Rahmen eines Joint Venture mit einem von der Regierung kontrollierten Unternehmen.
    Total Oil: Der französische Ölkonzern ist einer der größten ausländischen Akteure in Burma (Offshore-Gasexploration). Gegen Total läuft eine Klage wegen Zwangsarbeit.

    Informieren Sie sich

    Verfolgen Sie die Entwicklungen in Burma mit Hilfe der folgenden Websites:
    BurmaNet Newswww.burmanet.org: Zusammenstellung aktueller Nachrichten verschiedenster Medien.
    Online Burma Librarywww.burmalibrary.org: Wie der Name besagt, eine Bibliothek mit mehr als 15.000 Dokumenten, einschließlich Fotokopien von Ausgaben propagandistischer staatlicher Medien.
    The Irrawaddy (www.irrawaddy.org) sowie Mizzima News (www.mizzima.com): Analysen und Nachrichten, verfasst von (überwiegend exilierten) burmesischen JournalistInnen.

    Quellen
    1) Länderprofil Burma, British Foreign and Commonwealth Office (www.fco.gov.uk/en/about-the-fco/country-profiles/asia-oceania/burma)
    2) UNICEF, State of the World’s Children 2008
    3) UNDP, Human Development Report 2007/2008
    4) National Aids Program, Response to HIV&AIDS in Myanmar:
    Progress Report 2005 (http://tinyurl.com/yrgvyb)
    5) Burmese Women’s Union, Caught Between Two Hells, 2007
    6) Nach Angaben von Bo Kyi von der AAPP(B)
    7) AAPP(B), Eight Seconds of Silence: The Death of Democracy Activists Behind Bars, Mae Sot, Mai 2006
    8) www.commondreams.org/headlines05/0607-03.htm
    9) Thailand Burma Border Consortium, Internal Displacement in Eastern Burma, 2007 Survey, Oktober 2007
    10) „Schwarze Liste“ der britischen Burma-Kampagne: www.burmacampaign.org.uk/dirty_list/dirty_list.html

    Copyright New Internationalist


    Aktivitäten in Österreich
    Austria Burma Center (ABC) – Zentrum für Menschenrechte, Informationsaustausch, Austausch und Kulturförderung. Der 2004 gegründete gemeinnützige Verein setzt sich für Menschenrechte und Demokratisierung in Burma ein. ABC ist Teil des Europäischen-Burma Netzwerkes, bestehend aus Nichtregierungsorganisationen und ExilburmesInnen. Dieses verfolgt das Ziel, in allen EU-Ländern Partnerorganisationen bzw. Mitglieder zu gewinnen.
    www.austrianburmacenter.at

    Die Artikel dieses Themas (mit Ausnahme des Beitrags auf Seite 39) wurden zuerst im Monatsmagazin „New Internationalist“ (Ausgabe 411, Mai 2008) veröffentlicht. Wir danken den KollegInnen in Oxford für die gute Zusammenarbeit. Der „New Internationalist“ kann unter der Adresse: Tower House, Lathkill Street, Market Harborough, Leicestershire LE16 9EF, England, U.K., bezogen werden. (Jahresabo: 37,85 Pfund; Telefon: 0044/ 171/82 28 99). www.newint.org. Redaktionelle Bearbeitung und Kürzung der Artikel: Irmgard Kirchner. Übersetzung: Robert Poth.


    Ethnosphere – Der 2005 gegründete Verein verfolgt allgemein das Ziel, „die noch lebendigen Ur-Kulturen Burmas als Potential für unsere eigene Erneuerung zu erkennen, kulturelles Überleben zu fördern“. Ethnosphere widmet sich in Österreich der Bewusstseinsbildung, Öffentlichkeitsarbeit und dem Fundraising für seine Hilfsprojekte im Karenni State.
    www.ethnosphere.at
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