Cohousing für alles

Wie viele Stadtmenschen träume auch ich manchmal vom Leben im Grünen. Das eigene Haus, der eigene Garten, der tägliche Stau. Was will man mehr? Gemeinschaft natürlich und so zeigt sich ein neuer Trend: Cohousing. Man lebt in Gemeinschaftshäusern und nützt gemeinsame Räume. Dadurch wird alles weniger ressourcenintensiv und ein „anderes Leben“ möglich. Als mich Martin Fairwegen zu einer Vorbesprechung einer Baugruppe einlädt, nütze ich die Gelegenheit.

Im Hinterzimmer eines vegetarischen Bio-Restaurants treffe ich eine kleine Gruppe von Leuten. Da ist Sonja, Coach und Seminarleiterin, die ursprünglich Wildness-Seminare veranstaltete, aber jetzt eine neue Nische entdeckt hat: Ihre Workshops „Spazieren-Gehen-Lernen für Anfänger“ sind der Renner.

Ihr ist es wichtig, dass im neuen Bauprojekt genügend Spazierwege vorhanden sind, die auch gepflegt werden. Franz, er trägt das T-Shirt „FAIRARSCHER“, merkt an, dass er sicher nicht in einer Umgebung leben will, wo sich jeder Grashalm in Schale werfen muss, bevor er sprießen darf. Martin Fairwegen versucht zu vermitteln: Sicher soll es wildere Bereiche geben und sanftere. Schließlich geht es auch darum, dass ein Ort für mehrere Generationen geschaffen wird.

Als jeder von uns ein Symbol zeichnet, das für seine Interessen steht, zeichnet Martin eine Windel und schreibt dazu: Jung und Alt gemeinsam. Sonja malt Schuhe, die passen zu ihren „Spazieren-Lernen-Workshops“ und auch zu ihrem letzten Projekt als Unternehmensberaterin. Da hat sie mitgeholfen, dass sich schlussendlich 50 Leute  „auf leisen Sohlen“ verabschiedeten. Das bringt Franz „FAIRARSCHER“ auf die Palme, er zeichnet einen ausgestreckten Mittelfinger.

Die Situation scheint zu eskalieren, Martin Fairwegen versucht, den Konflikt zu entschärfen. „Was meinst Du?“, fragt er mich. „Ich kann nicht so gut zeichnen“, sage ich. „Aber mein Ideal wäre ein Wohn-Projekt, in dem ich irrsinnig viel Freiraum habe und gleichzeitig total viel Gemeinschaft, in dem ich dauernd in der Natur bin aber auch in der Stadt, in dem ganz viel Offenheit herrscht, aber nicht jeder alles vom anderen weiß, in dem man nur sinnvoll arbeitet, aber trotzdem irrsinnig viel Geld verdient und in dem auch die Arbeit Spaß macht …“ Darauf sagt Sonja, ich komme ihr vor wie jemand, der Vegetarier sein will, aber ohne Gemüse. Franz „FAIRARSCHER“ meint, dass das mit dem Spaß in der Arbeit ja wieder eine neoliberale Unterwanderung sei. Naja, denke ich, als Kabarettist auch noch Spaß haben wollen? Wohl doch etwas zu viel verlangt.

Georg Bauernfeind ist Kabarettist und Publizist in Wien. Programm und Termine auf www.georg-bauernfeind.at

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