Das Fenster zum Meer

Von Christine Kohlmayr ·

Memo Anjel

Erzählungen. Aus dem Spanischen von Peter Schultze-Kraft u. a.
Rotpunktverlag, Zürich 2007, 168 Seiten, € 18,-

Memo Anjel ordnet sich mit seiner Literatur in die Reihe von Gabriel García Márquez und Isabel Allende ein. Wie diese verstrickt Anjel in diesen 14 Erzählungen die Realität mit unwirklichen Elementen. Der aus Kolumbien stammende Autor lässt da schon mal Schatten Violine spielen oder Menschen ein Jahr lang im Zug unterwegs sein.
Hat er in seinem Buch „Das meschuggene Jahr“ (2005) schon von seiner sephardischen Familie aus der Sicht eines dreizehnjährigen Jungen erzählt, lässt er auch hier seine jüdische Kultur mit einfließen.
Weit verstreut, in europäischen, lateinamerikanischen und afrikanischen Städten, finden die erzählten Handlungen statt. Manche erwecken den Eindruck, die Erlebnisse des Autors widerzuspiegeln, wie die Kurzgeschichte „Das Krankenhaus“. Während der Ich-Erzähler wartet, bis die Operation seiner Tochter beendet ist, trifft er beim Rauchen einen Patienten, der ihn dazu zwingt, ihm bei der Flucht aus dem Krankenhaus zu helfen. Die meisten Erzählungen handeln allerdings von Menschen, die ganz nebenbei und unabsichtlich in Verstrickungen geraten, mit denen sie nicht gerechnet haben. Da ist in „Hora certa“ ein Mann, der vorhergesagt bekommt, dass er einen Mord begehen wird. Da ist in „Ein Tag für den Johnny“ einer, der sich bis über beide Ohren verliebt und sich „die Fußnägel lesen lässt“ und dann vor Verzweiflung ins Wasser geht.
Aber egal, was Memo Anjel beschreibt, immer zeichnet er die Personen und deren Umgebung so, dass der Leser/die Leserin sofort in der Geschichte gefangen ist. In „Das Fenster zum Meer“ befindet man sich mit den Protagonisten im Zimmer, glaubt zur Familie zu gehören und denkt sich, wie sie, Geschichten über die vorbeiziehenden Schiffe aus.
Für jene, welche die orientalisch-jüdische Kultur nicht so gut kennen, sind am Ende des Buches hilfreiche Worterklärungen beigefügt.

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