Der Robin Hood von San Fernando

Von Christina Schröder ·

Christian Alarcón

Übersetzt von Barbara Gelautz.
Rotpunktverlag, Zürich 2007, 218 Seiten, € 18,80

Im Jahr 1999 wurde der 17-jährige Victor Manuel Vital, die Schlüsselfigur dieses Buches, von der Polizei erschossen. Schon zu Lebzeiten war er in den Armenvierteln 25 de Mayo und San Fernando in Buenos Aires wohlbekannt, da er zwar wie viele andere Slum-Kids immer wieder stahl, doch als einziger seine Beute unter den Bedürftigsten in seinem Umfeld verteilte.
Nach seinem Tod begann der chilenische Autor Cristian Alarcón nach den Gründen zu suchen, warum Vital schon zu Lebzeiten zu einer Legende in den Armenvierteln von Buenos Aires geworden war und warum noch heute die Jugendlichen zu seinem Grab pilgern, um ihm zu Ehren einen Joint zu rauchen und Cumbia zu hören.
Zwei Jahre lang interviewte Alarcón, der als Journalist in Buenos Aires arbeitet, die Familienangehörigen, Freunde und Feinde des Verstorbenen und rekonstruierte sowohl die Geschichte und Persönlichkeit des Jungen, den er nie kennen gelernt hatte, als auch die Lebensumstände der Menschen in den ärmsten Vierteln der Hauptstadt Argentiniens. Die Eindrücke und Informationen, die er in der Zeit der Recherche gesammelt hatte, verarbeitete Alarcón zu einer literarischen Reportage, die tiefe Einblicke in die uns unbekannte gesellschaftliche Ordnung in den Slums gibt. An vielen Stellen gibt der Autor auch die Schwierigkeiten zu, die er beim Versuch hatte, den Menschen näher zu kommen und ihr Vertrauen zu gewinnen. Obwohl es ihm bei den meisten sehr gut gelingt, verliert er sich nicht in Sentimentalitäten oder in Einteilungen in Gut und Böse. Er bewahrt eine gewisse Distanz, die es ihm erlaubt, die Motive der Jugendlichen, Drogen zu nehmen und zu rauben, genau zu analysieren und differenzieren.
So wurde Christian Alarcón im Jahr 2005 für dieses Buch mit dem angesehenen Samuel Chavkins-Preis für integren Journalismus des North American Congress on Latin America (NACLA) ausgezeichnet.

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