Das freiwillig-verpflichtende Auslandsjahr für alle

Von Redaktion ·

Die große Wehrpflichtdebatte ist geschlagen, das Ergebnis egal, denn die einzig wirklich wichtige Frage wäre gewesen: Sind Sie für ein freiwillig-verpflichtendes Auslandsjahr für alle ÖsterreicherInnen in Afrika, Asien, Lateinamerika oder Ozeanien? Werner Wunder, mein Bekannter aus der Werbung, leidet sehr unter der Muffigkeit in diesem Land und überlegt mit einigen Freunden, eine Initiative zu diesem Thema zu starten.

Die einzige Chance in „dieser Sahelzone der Weltoffenheit“ – er meinte Österreich – für ein wenig Durchlüftung zu sorgen, sei: Alle einmal für ein Jahr ins Ausland schicken.

Und so legte er voller Eifer los: „Stell dir einfach einen typischen Österreicher vor: Sehr dafür ‚dass die Andern, die Wilden im Dschungel auch einmal was arbeiten‘, aber selbst mit 48 in Frühpension. Sehr der Meinung, dass ‚das nicht geht, dass ein jeder macht, was er will, weil für was gibt’s ein Gesetz‘, aber selbst pfuschen, was das Zeug hält. Sehr gegen den ganzen Filz und die Postenschacherei, aber persönlich bei der Gemeinde und beim Land für den eigenen Sohn intervenieren. Das einzige, was ihn vielleicht an, sagen wir Asien, interessieren würde: ‚Der Heinzi, der hat ein philippinische Frau, die … also, bei der, … so eine …‘ die würde ihm schon gefallen.“

Alles in allem: Ein klasser Bursch, wie man solche Leute in Österreich nennt. An der Entwicklungszusammenarbeit so interessiert wie ein Hund am Gackisackerl. Gar nicht. „Und den schicken wir einfach einmal in ein afrikanisches Dorf oder nach Indien“, meinte Werner. Aber nicht auf Safari sondern in einen Slum. „Ich weiß nicht“, meinte ich, „würde sich dann nicht unser Klischee-Österreicher sofort mit den Machos vor Ort verbünden und auf der Karriereleiter der örtlichen Slum-Mafia schnell hinaufklettern?“ „Auch gut“, meinte Werner, „dann bleibt er wahrscheinlich dort“. Ich entgegnete: „Aber welches Licht wirft das auf Österreich? Wäre es nicht besser, wir geben nur den Frauen diese Chance?“ Werner überlegte. „Wenn ich da an meine Wiener Hausmeisterin denke: Die schimpft auch ununterbrochen über die Zigeuner, die Rumänen und über die, die jetzt alle nach Österreich wollen. Und kommt selbst aus Serbien.“ „Könnte aber auch aus Österreich sein“, warf ich ein. „Natürlich“, sagte Werner und zeigte mir zum Abschluss unseres Gespräches noch eine Statistik. Auf die Frage: „Ich habe in meinem Leben noch etwas Wichtiges vor“, sagen 70 Prozent der ÖsterreicherInnen: „Nein“. Na dann! 

Georg Bauernfeind ist Kabarettist und Publizist in Wien. Programm und Termine auf www.georg-bauernfeind.at

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