Das Geld der Reichen

Von Robert Poth ·

Die 70er Jahre waren schlechte Zeiten für GeldvermögensbesitzerInnen: Die Inflation war hoch, die Realzinsen etwa in den USA sanken bis auf minus 3,5%. Das nagte kräftig am Kapital. Eine Gegenreaktion war zu erwarten. Und sie kam (Stichworte: Reagan, Thatcher), zog die Schuldenkrise der Entwicklungsländer nach sich und geriet in der Folge zu dem, was gern als Siegeszug des „Neoliberalismus“ bezeichnet wird. Wer heute vehement gegen diese Wirtschaftspolitik und ihre desaströsen Folgen opponiert, wird dem Begriff „Regime der Geldvermögensbesitzer“ einiges abgewinnen können. Was aber vielleicht überrascht: Zwar wird laufend eine andere Geld- oder Finanzpolitik gefordert, gegen die weltweite wirtschaftliche Liberalisierung und für eine Re-Regulierung der Finanzmärkte gekämpft, doch wenige stellen das Medium in Frage, auf dem dieses Regime beruht: das Geldsystem.

Vielleicht haben wir uns zu sehr an dieses System gewöhnt, um an Alternativen zu denken oder sie ernst zu nehmen. Andere tun das schon seit Jahrzehnten, ob belächelt oder ignoriert. Die in diesem SÜDWIND-Thema kurz vorgestellten realen und visionären Ansätze zu einem anderen Geldsystem haben eines gemeinsam: Sie alle stellen die Geldschöpfung durch die Geschäftsbanken oder zumindest das Bargeldmonopol der Zentralbanken in Frage. In Argentinien etwa schufen Tauschkreise ein eigenes, zinsfreies Geld, die „Créditos“, um in der Wirtschaftskrise zu überleben; mit „Vollgeld“ würde die Geldschöpfung bei der Zentralbank monopolisiert und ein wesentlicher Krisenfaktor ausgeschaltet, während Ernst Dorfner die Finanzierungsfalle des Staates analysiert und mit den „Taxos“ einen Ausweg vorschlägt. Die Einführung eines „Freigelds“ oder „neutralen Geldes“ gründet zwar auf einer radikalen Zinskritik, soll aber nicht den Zins überhaupt, sondern „nur“ die destabilisierende Selbstvermehrung der Geldvermögen eliminieren. Das Realexperiment des Islamischen Bankwesens, das den Geldzins vermeidet, konnte hier aus Platzgründen leider nicht präsentiert werden. Eine Befassung mit diesen Ansätzen lohnt jedenfalls – selbst wenn ihre Realisierung abgelehnt oder für chancenlos gehalten wird.

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