Das globale Würzkraut

Koriander ist rund um den Globus als Würze beliebt. In heimischen Kochtöpfen führt er jedoch ein rechtes Schattendasein.

Von Miriam Wiegele
Fragt man EuropäerInnen, welches Würzkraut ihrer Meinung nach weltweit am beliebtesten sei, werden sie mit Sicherheit antworten, dies könne nur Petersil sein. Dabei spielt Petersil nur in der europäischen Küche ? und da vor allem im deutschsprachigen Raum ? eine dominante Rolle.

Der Koriander dagegen führt bei uns ein äußerst bescheidenes Würzdasein. Wanzenkraut wurde er früher genannt. Seine frischen Blätter haben einen eigentümlich süßen Geruch, der tatsächlich an Wanzen erinnert. Jene Wanzen, die man im Gras und in Gemüsebeeten Wnden kann. Den Geruch ihrer Stinkdrüsen lernt man manchmal kennen, wenn man in eine Erdbeere beißt. Übrigens sind diese Wanzen im Garten ausgesprochene Nützlinge.

Der botanische Name Coriandrum sativum leitet sich von koris (griech. Wanze) ab. Die Heimat des Koriander dürfte Kleinasien sein und er wurde bereits in ägyptischen Papyri erwähnt. In der Bibel kommt er mehrfach vor und wurde mit Manna verglichen, das die Kinder Israels beim Auszug von Ägypten vor dem Hungertod bewahrte.

Griechen und Römer benutzten Koriandersamen als Würze für Wein, der dadurch angeblich noch berauschender wirkt, aber auch für Brot und Fleisch und als Arzneimittel. Mit den Römern kam der Koriander nach Mitteleuropa. Hier wurde er im Mittelalter eifrig zum Vertreiben von Läusen und Wanzen gebraucht, quasi nach dem homöopathischen Prinzip: ?Ähnliches mit Ähnlichem heilen.?

In der mittelalterlichen Kräuterapotheke diente der Koriander innerlich und äußerlich angewandt als Heilmittel gegen Krankheiten wie Cholera und Pest.

Heute ist der Koriander aus der europäischen Küche weitgehend verschwunden. Nur als Brotgewürz empfiehlt man ihn neben Anis, Fenchel und Kümmel.

Durch die spanischen Eroberer kam der Koriander neben anderen Gewürzen nach Mexiko. Unter dem Namen ?Cilantro? wurde er zu einem beliebten Würzkraut in ganz Lateinamerika: etwa für Chili con carne, oder Guacamole? eine Soße aus Avocados, Tomaten, Chilis, Zwiebeln und Knoblauch.

In fast allen Küchen Nordafrikas Wndet man Rezepte mit frischem Koriander. In Marokko gehört er vor allem in Suppen und Salate. Auch im arabischen Raum und überhaupt im gesamten Vorderen Orient ist Koriander sowohl als frisches Blattgrün als auch als Samenpulver ein Muss zum Würzen.

Indien ist das Heimatland der meisten exotischen Gewürze und der Koriander ist ein wesentlicher Bestandteil dessen, was als Currypulver bezeichnet wird.

In der thailändischen Küche ist Koriander das beliebteste Würzkraut. Man verwendet sowohl frische Blätter als auch Wurzeln und die Samen, geröstet oder als Pulver gemahlen. Neuerdings über die heimischen Medien berühmt geworden ist eine sauerscharfe Garnelensuppe, die Tom Yum Gung genannt wird. Sie steht in Thailand fast täglich am Speiseplan. Japanische und thailändische WissenschaftlerInnen haben herausgefunden, dass die Inhaltsstoffe der Gewürze, neben Koriander noch Galgant, Zitronengras und Limonen, vor Magen- und Darmkrebs schützen und zwar hundert mal besser als andere zur Vorbeugung gegen Krebs empfohlene Lebensmittel.

In Teilen Chinas gibt es kaum Gerichte, auf denen die gehackten Blätter nicht als Dekoration auftauchen. Auf Grund dieser Beliebtheit wird Koriander in Kochbüchern oft als ?chinesische Petersilie? bezeichnet.

Vielleicht noch ein letzter Anreiz zur Verwendung: Die Inhaltsstoffe der Samen erhöhen in der Leber die Aktivität von Entgiftungsenzymen. Deshalb werden sie auch als Therapeutikum nach gelegentlich erhöhtem Alkoholkonsum empfohlen.

Miriam Wiegele ist Ethno-Botanikerin und Publizistin. Sie lebt in Weiden im Burgenland.

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