Das Papierhaus

Carlos María Domínguez

Aus dem Spanischen von Elisabeth Müller, Insel Verlag, Berlin, 2014. 89 Seiten, € 12,40

Die Erzählung setzt direkt mit dem Tod der Literaturprofessorin Bluma Lennon ein. Sogleich tritt das Leitmotiv der Erzählung in Erscheinung: die Auswirkungen von Büchern auf unser Leben.

Erzählt wird aus der Perspektive eines Liebhabers Blumas, der kurz nach ihrem Begräbnis ein beinahe zerstörtes Buch erhält. Er beginnt sich auf die Suche nach Carlo Brauer zu machen, dem Mann, an den die Widmung im Buch gerichtet ist. Blumas Notizen kann er entnehmen, dass sie ihn in Mexiko bei einem Schriftstellerkongress kennengelernt und mit ihm eine Nacht verbracht hat. Die Spur führt nach Buenos Aires, wo er erfährt, dass Carlos einer der größten Büchersammler und der Inbegriff der Bibliomanie war: Er soll nicht nur Bluma, sondern auch seine Bücher „verführt“ haben. Als sein neu erarbeitetes System zur Schlichtung seiner Bücher durch einen Unfall verbrannte, ging die gesamte Ordnung in seinem Leben verloren. Die Bücher, einst seine Schätze, erhielten nun einen komplett neuen Sinn …

Ein absolut lesenswertes Buch, welches ähnlich wie Elias Canettis „Blendung“ die Faszination für Bücher ins Extreme zieht, gleichzeitig aber durch den Ich-Erzähler eine Distanz bewahrt. Versteckte Referenzen auf ganz andere Stellen in der Erzählung machen das Buch auch aus stilistischer Sicht interessant und lassen gleichzeitig mehrere Tiefenebenen entstehen.
Tizian Rupp

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