Der Hut brennt

Von Richard Solder ·
© Illustration: Thomas Kussin


Unabhängiger Journalismus ist wertvoll und kostet Geld. In Österreich ist die Entwicklung im Medienbereich höchst bedrohlich.

Jetzt wackelt also die Wiener-Zeitung. Durch die Abschaffung der Pflichtinserate im Amtsblatt bzw. aufgrund einer EU-Richtlinie wird gerade das Aus der ältesten noch existierenden Tageszeitung der Welt eingeläutet.

Rund 60 Journalist*innen arbeiten aktuell dort. Bereits in den vergangenen Jahren sind journalistische Arbeitsplätze verloren gegangen, vor allem im Printjournalismus: So schloss das Wirtschaftsblatt 2016, das Red Bull-Online-Rechercheprojekt Addendum wurde vergangenen Jahres nach kurzer Laufzeit eingestellt. In großen Medienunternehmen wie dem ORF, bei Tageszeitungen wie dem Standard und auch der heimischen Nachrichtenagentur Austria Presse Agentur jagt ein Sparpaket das andere.

Dringend gebraucht. Diese Entwicklung ist bedenklich. Denn Österreich benötigt gerade in diesen Zeiten Journalismus – so viel wie möglich kritischen, unabhängigen. In der Pandemie ist die Aufgabe der Journalist*innen, zwischen Politik, Wissenschaft und Bevölkerung zu vermitteln, ausdrücklich gefordert und die journalistische Kontrollfunktion besonders gefragt.

Aber es geht nicht nur um Corona: in Zeiten von „Message Control“ zur politischen Steuerung öffentlicher Meinungsbildung, von ministeriellen Falschbehauptungen etwa zur Aufnahme unbegleiteter minderjähriger Geflüchteter (angeblich 5.000, tatsächlich 186) braucht es umso mehr die Medien als starkes Gegenüber.

Während Redaktionen ausgedünnt werden, wachsen PR-Teams und -Budgets von Ministerien, Parteien aber auch einflussreichen Unternehmen immer weiter.

Wer zahlt? Diese Schieflage hat demokratiepolitische Folgen. Starke unabhängige Medien mit entsprechenden Redaktionen benötigen im kleinen Österreich öffentliche Förderung. Regierungsinserate ohne Rücksicht auf journalistische Qualität und Ethos verleiten zu Korruption. Indikator für das Demokratieverständnis einer Partei ist ihr Einsatz für eine qualitätsorientierte Medienförderung.

Denn wer zahlt sonst? Mäzenatentum ist keine Lösung. Und die Medienkonsument*innen allein werden nicht immer einspringen können, wie in unserem Fall.

Vor vier Jahren wurde dem Südwind-Magazin vom damaligen Außenminister Kurz die jahrzehntelange öffentliche Finanzierung wegen unbotmäßiger Berichterstattung kurzfristig gestrichen. Doch das Südwind-Magazin war nicht umzubringen, denn die Leser*innen und Unterstützer*innen haben es gerettet. Aktuell verfügen wir zwar statt zuvor 75 nur mehr über rund 50 redaktionelle Wochenstunden, verteilt auf drei Köpfe. Wir versuchen aber, das Beste aus diesen Ressourcen zu machen und mit neugierigem Blick über die weite Welt zu berichten.

Welcher Kanzler auch immer meint, hierzulande mit Schrebergartenmentalität und Kommunikation    à la Trump reüssieren zu können, dem zeigen wir gemeinsam, dass es ein anderes Österreich gibt.

Vielen Dank an dieser Stelle an alle unsere Abonnent*innen und Unterstützer*innen!

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