Der Jakubijân-Bau

Von Sonja Burger ·

Alaa al-Aswani

Roman. Aus dem Arabischen von Hartmut Fähndrich. Lenos Verlag, Basel 2007, 372 Seiten, € 19,90

Taha al-Schâsli lebt mit seiner Familie in einer der Eisenkammern, das sind kleine Zimmerchen am Dach des Jakubijân-Baus im Herzen von Kairo. Sein jahrelanges Streben gilt nur dem einen Ziel, Polizeioffizier zu werden. Diese Position würde ihm sowohl sozialen als auch ökonomischen Aufstieg garantieren. Obwohl er alle Voraussetzungen erfüllt, bricht ihm seine Herkunft als Sohn eines Türhüters sprichwörtlich das Genick. Diese persönliche Erfahrung von Ungerechtigkeit und Ohnmacht ist der Ausgangspunkt einer verhängnisvollen Aneinanderreihung von Begegnungen, die ihn schließlich an die Universität Kairo und somit in den ideologischen Dunstkreis eines einflussreichen islamischen Predigers bringt. Sein Hass manifestiert sich durch die menschenverachtenden Folterungen durch Handlanger der Regierung, und so wird er zu einem gelehrigen Schüler, der nach Vergeltung schreit.
Der ägyptische Schriftsteller Alaa al-Aswani nimmt die Leserin, den Leser in seinem berühmten Roman „Der Jakubijân-Bau“ an der Hand und gewährt ihr/ihm einen Einblick in das Ägypten der Gegenwart. Anhand der unterschiedlichen Charaktere, die im Jakubijân-Bau leben, und ihrer individuellen Lebensgeschichten ergibt sich Seite für Seite ein spannendes und tief bewegendes Mosaik der ägyptischen Gesellschaft. Weder Homosexualität noch das variantenreiche Zustandekommen von Ehen werden tabuisiert. Mit dem zugleich kritischen wie auch verständnisvollen Blick des Insiders zerrt Alaa al-Aswani auch die dunkelsten Flecken der Geschichte ans Licht. Seine Kritik gilt sowohl denen, die an den Schalthebeln der Macht sitzen, als auch jenen, die die Religion in ihrem Sinne instrumentalisieren und missbrauchen. Eindrucksvoll zeichnet der Autor das Leben des jungen Ägypters Taha al-Schâsli von der größten Enttäuschung seines Lebens bis hin zu seinem Tod in einer terroristischen Aktion nach und deckt auf, welche Personen und Situationen den jungen Mann maßgeblich beeinflusst haben.

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