Der weite Horizont

Mit der Fusionierung von drei Organisationen der kirchlichen Entwicklungszusammenarbeit entstand die bei weitem größte nichtstaatliche Einrichtung in diesem Sektor.

Von Werner Hörtner
Manchmal beginnt etwas ganz simpel, was sich dann zu einem großen Unternehmen entwickelt. Im katholischen Umfeld gibt es in Österreich teilweise schon seit Jahrzehnten mehrere Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit, die manchmal sogar in denselben Ländern des Südens Personaleinsätze durchführen. Etwa das "Institut für Internationale Zusammenarbeit" (IIZ), der "Österreichische Entwicklungsdienst" (ÖED) und die jüngere "Kofinanzierungsstelle für Entwicklungszusammenarbeit" (KFS).
Obendrein haben diese Einrichtungen zum Teil dieselben Trägerorganisationen. Zum Beispiel sitzen im Vorstand jeder der oben erwähnten drei Organisationen VertreterInnen von Caritas und der "Dreikönigsaktion" (DKA).
Die vielen Vorstandssitzungen begannen ihr Zeitbudget zu sehr zu belasten, und da muss dann die glorreiche Idee aufgetaucht sein, bei einer Verschmelzung dieser Organisationen wären statt drei Vorstandssitzungen nur mehr eine nötig. Nunmehr ist dieser Gedanke Wirklichkeit geworden: Mit Anfang Jänner des Jahres treten IIZ, KFS und ÖED als eine einheitliche Organisation unter dem selbstbewussten Namen "HORIZONT3000" auf.

Der Verhandlungsprozess über die Zusammenlegung der drei Organisationen begann im März des Vorjahres, also in einer Zeit, wo die entwicklungspolitischen Nicht-Regierungsorganisationen Österreichs schwer mit dem Verarbeiten der zum zweiten Mal en suite starken Kürzung der staatlichen Subventionen zu tun hatten. Auch in anderen Bereichen wurde über engere Kooperation verwandter Organisationen bis hin zu Zusammenlegungen diskutiert. Doch nur die drei erwähnten Institutionen haben diesen Prozess bis zur letzten Konsequenz, der völligen Fusionierung, durchgezogen. Und zwar in einem respektablen Eiltempo: Schon neun Monate später, am 19. Dezember des vergangenen Jahres, wurde HORIZONT3000 aus der Taufe gehoben.

Durch die Zusammenlegung werden keine Arbeitsplätze wegrationalisiert; alle Projekte der drei Organisationen werden weitergeführt. Das erste Jahr ist als Konsolidierungsphase zu betrachten, erklärt die ehemalige Südwind-Agentur-Mitarbeiterin Petra Navara, die die Bereichsleitung Inland in der neuen Organisation übernommen hat; auf Grund der in dieser Zeit gemachten Erfahrungen könne man dann über eventuelle neue Schwerpunktsetzungen diskutieren.

Mit HORIZONT3000 ist die bei weitem größte nichtstaatliche Organisation der Entwicklungszusammenarbeit entstanden, mit einem Budget von etwa 350 Millionen Schilling im Jahre 2001. 207 Millionen davon kommen von der staatlichen EZA, 55 Millionen von den Trägerorganisationen und an die 80 Millionen von der EU. Von den 145 MitarbeiterInnen der neuen Institution befinden sich etwa zwei Drittel auf Personaleinsatz - die lokalen Beschäftigten nicht eingerechnet - und ein Drittel in Wien; ein neues größeres Büro wird derzeit noch gesucht.
Die Namensgebung für die neue Organisation war ein schwieriger Prozess, erzählt Petra Navara. Über 200 Vorschläge wurden eingereicht und eine Werbeagentur mit der Namenssuche betraut, doch ohne zufriedenstellendes Ergebnis. Schließlich wählten die mit dem Fusionierungsprozess beschäftigten Organe - eine aus den Trägerorganisationen gebildete "Steuerungsgruppe" und ein aus den MitarbeiterInnen von IIZ, KFS und ÖED bestehendes "Kernteam" - selbst den Namen aus. Er wird wohl noch öfter ein Schmunzeln auslösen, denkt man an den tausendjährigen Horizont, dem sich die neue Organisation verschreibt ...

In der österreichischen Gesellschaft und in der europäischen Öffentlichkeit verstehen wir uns als Stimme unserer Partnerorganisationen und Zielgruppen und scheuen uns auch nicht, gegen zeitgeistige Strömungen, die wir als im Widerspruch mit unseren Grundsätzen stehend erkennen, entschieden aufzutreten", heißt es im Grundsatzpapier von HORIZONT3000. Ein klares und mutiges Wort, bedenkt man, dass beispielsweise Landlose in Brasilien, MenschenrechtsaktivistInnen in Guatemala, Straßenkinder auf Fidschi zu den Zielgruppen dieser Arbeit gehören. Die gesellschaftspolitische Wirklichkeit, die sich hinter vielen Projekten verbirgt, in Österreich bekannt zu machen und dazu Stellung zu nehmen, wird sicher nicht überall auf offene Ohren stoßen.
Robert Zeiner, früher Geschäftsführer des ÖED, wird auch im neuen Verein diese Funktion ausüben, Herwig Adam vom ehemaligen IIZ ist für die Auslandsarbeit zuständig. Am 29. Jänner wurde von Außenministerin Benita Ferrero-Waldner der Vertrag mit HORIZONT3000 unterzeichnet.

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