Der Widerstand wächst

Die Szene politischer RapperInnen in Österreich ist überschaubar. Aber es tut sich was, wie Marina Wetzlmaier herausgefunden hat.

O5 – der historische Code des Widerstandes gegen Faschismus und Nationalsozialismus - wurde vor der Nationalratswahl 2017 wiederbelebt. Mit dem Track „Wer schweigt stimmt zu“ riefen österreichische RapperInnen junge Menschen dazu auf, wählen zu gehen.

Die Plattform O5 sollte ein Zeichen setzen für Demokratie, gegen Hass und Diskriminierung und gegen einen Rechtsruck in der Politik. Vorbild ist eine Initiative aus Großbritannien.

Viele bekannte Namen finden sich auf der Liste der UnterstützerInnen, vor allem aus der Musikbranche, viele davon RapperInnen. Eines hat O5 dabei bewirkt: auch KünstlerInnen, die sich sonst kaum politisch äußern, artikulierten ihre Meinung.

Mittlerweile ist es wieder ruhiger um O5, zumindest was musikalische Veröffentlichungen betrifft. Keineswegs still sind jedoch einzelne MusikerInnen von O5 – auch abseits davon.

Gegen Klischees. Der Linzer Def Ill hat sich in den vergangenen zwei Jahren ausschließlich dem Polit-Rap verschrieben, auch wenn er sich nicht darauf reduzieren lassen will. Er schreibe „wie von Dämonen besessen“, sagt er.

Den Track „Zeltstädte“ schrieb er in einem durch. In geballter Form entkräftet er darin gängige Klischees über Flüchtlinge. Schließlich veröffentlichte Def Ill eine ganze Platte zur Flüchtlingskrise. „Ich rappe politisch, weil ich den ganzen Tag so wütend auf politische Themen bin, dass ich sie rappen muss“, so Def Ill.

Auch für Yasmo aus Wien ist es wichtig, sich als Künstlerin politisch zu positionieren. Aus ihrer Sicht passiert noch viel zu wenig: „Mich schockiert, dass es unter den Rapperinnen und Rappern wenig Aufschrei gibt, obwohl wir uns in einer sehr brisanten Zeit befinden.“ Es bräuchte aber nicht nur mehr aktive Gegenstimmen, sondern auch mehr Austausch in der Rap-Szene selbst.

Mehr Austausch, auch unter verschiedenen Milieus, versucht Kid Pex mit der monatlichen Veranstaltungsreihe „Gürtel Squad“ im Rhiz in Wien zu erreichen: „Wir bringen eine feministische Rapperin und einen Straßenrapper am gleichen Abend auf die Bühne.“

Passendes Genre. Die unterschiedlichen KünstlerInnen sind sich einig: Rap als Genre eigne sich alleine vom Ursprung her dafür, gesellschaftspolitische Themen anzusprechen – als Kultur der Randgruppen, als Musik, die den Diskriminierten eine Ausdrucksmöglichkeit gibt.

Yasmo sieht Rap als Plattform, auf der man die eigene Meinung nach außen trägt, Denkanstöße geben und neue Sichtweisen einnehmen kann.

Klar ist für Yasmo, Kid Pex & Co zudem, dass Rap authentisch sein muss: Die eigenen Erfahrungswelten sollten Thema sein. Die Selbstermächtigung der Frau ist Yasmo ein wichtiges Anliegen, was in Tracks wie „Girls wanna have fun“ und „Gretchenfrage“ klar zum Ausdruck kommt.

In Kid Pex’ Texten spiegelt sich seine eigene Migrationsgeschichte wider. Im Alter von neun Jahren kam er Anfang der 1990er Jahre nach Österreich. Alltagsrassismus gehört seit seiner Kindheit zu den prägendsten Erfahrungen.

Die politischen Inhalte wurden in den vergangenen Jahren laut Kid Pex mehr. Gleichzeitig bekam er Folgen seines Engagements zu spüren. Er verlor einen Teil seiner Fans, nachdem er sich 2013 mit den protestierenden Flüchtlingen in der Votivkirche solidarisiert hatte.

Und: Kid Pex kommt immer wieder ins Visier Rechtsextremer. „Deshalb ist es wichtig, dass sich die Leute äußern. Rap muss noch lauter, noch stärker werden.“

Gemessen an der Anzahl der RapperInnen in Wien gibt es immer noch wenige, die sich aktiv politisch äußern. Aber es sei, so Kid Pex, ein Hip Hop-Kosmos im Entstehen, der Widerstand leiste.

Marina Wetzlmaier ist freie Journalistin und lebt in Wels/Oberösterreich.

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