Die Farbe meiner Haut. Die Antirassismustrainerin erzählt

ManuEla Ritz

Von Renate Sova
Sachbuch. Verlag Herder, Freiburg im Breisgau 2009, 180 Seiten, € 14,95

Oberflächlich betrachtet scheint die Tatsache, dass die Haut der Autorin etwas mehr Melanin aufweist als die der meisten Leute in ihrer Umgebung, wohl kaum buchfüllend, doch wird eben diese dunklere Haut immer wieder als Projektionsfläche für rassistische Äußerungen und Diskriminierung genutzt. Und so ist dieses Buch ein autobiografischer Bericht über das Leben einer schwarzen Frau im weißen Deutschland, die sich bewusst mit der Diskriminierung und dem Alltagsrassismus auseinandersetzt.

ManuEla Ritz ging in den 1980er Jahren in Mügeln zur Schule, jener Kleinstadt in Ostdeutschland, die im Sommer 2007 durch eine Hetzjagd auf Inder in die Schlagzeilen geriet und nach einem neuerlichen rassistischen Übergriff Anfang März 2009 abermals Aufsehen erregte. Den Vater sowie die Mutter lernt sie erst im Erwachsenenalter kennen. Sie erzählt offen von ihren Gefühlen und Gedanken, von Zweifeln und Wut, aber auch von der Liebe zu ihrer Adoptivmutter und ihren beiden Kindern. Ihr Werdegang als schwarzes Mädchen, deren Mutter sie zur Adoption freigab, ist berührend und spannend zugleich, ihre Kraft und ihr Lebenswille ist in jedem Kapitel spürbar.

Das Buch ist sehr vielfältig: Interviews, Ausschnitte aus Drehbüchern, Erzählungen, Gedichte von ihr und anderen Autorinnen ergänzt sie durch Schaubilder und theoretische Texte. Begriffe wie Empowerment, Adultismus, Rassimus, Sexismus u.a. erklärt sie in verständlicher Sprache. Sie deckt den Alltagsrassismus auf, der in Deutschland – aber auch bei uns in Österreich – bereits bei Kindern durch Darstellungen und Spiele verinnerlicht wird, und sie erklärt, was sie dagegen tut.

In der Beschreibung ihrer Empowerment-Workshops zeigt sie das Strukturprinzip von Rassismus auf, sie ermutigt die Teilnehmenden, sich in dieser gesellschaftlichen Struktur zu positionieren sowie Wege zu suchen und zu finden, die Rassismus im individuellen Leben und somit schließlich auch gesamtgesellschaftlich zurück drängen.

Die Autorin wurde 1969 in Meißen geboren und sofort zur Adoption freigegeben. Sie lebte bis zu ihrem 19. Lebensjahr in Mügeln in Sachsen. Heute arbeitet sie als Erzieherin, Sozialpädagogin und Drehbuchautorin sowie seit acht Jahren als Trainerin gegen Rassismus und Adultismus.

Das Buch ist ein eindrucksvolles Plädoyer gegen Rassismus und für Zivilcourage.

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