Die Freiheit, die sie meinen

Nach dem Irak-Krieg bleibt die Frage, wie auf Trümmern Demokratie und Gerechtigkeit entstehen soll.

Von Lydia Matzka
Im Irak-Krieg gibt es viele Verlierer: die irakische Bevölkerung, die internationale Gemeinschaft, der Weltfriede ... Um mit dem Schriftsteller Kurt Tucholsky zu sprechen: „Jeder Krieg ist eine Niederlage, denn Krieg vernichtet Leben!“
Erinnern wir uns kurz, warum dieser Krieg eigentlich geführt wurde. Der 11. September 2001 hatte die Welt verändert. Die USA wurden zum ersten Mal auf ihrem Territorium angegriffen. Die eigene Verletzlichkeit wurde dadurch augenscheinlich. Seither leben Millionen AmerikanerInnen in Angst und Schrecken. Angst vor Anthrax. Angst vor Massenvernichtungswaffen. Angst vor Terroristen. Angst vor dem Anderen. Angst vor dem Fremden. Angst vor der Angst. Angst, Angst, Angst. Dazu kommt die Unmöglichkeit, sich vor dieser neuen Bedrohung effizient zu schützen. Wer sagt uns, dass nicht irgendein Verrückter einen Spaziergang mit einem Reagenzglas voller Pockenviren in der Tasche durch ein New Yorker Shoppingcenter plant?

Afghanistan war der erste „Schurke“, der angegriffen wurde. Offiziell hieß es „Antiterrorkampf“. Al-Qaida wurde zunehmend zur Hydra. Usama bin Laden, offizieller Grund Nr. 1 für diesen Krieg, konnte bis heute nicht gefasst werden. Und wie schaut ein Staat aus, nachdem die USA ihm „Demokratie“ brachten? Fast wöchentlich werden Scharmützel aus Afghanistan gemeldet, allerdings blickt die Weltöffentlichkeit nicht mehr hin und findet solche Nachrichten allerhöchstens zusammengefasst in Kurzmeldungen von Tageszeitungen. Die JournalistInnen sitzen alle im Irak, wo wieder einmal die USA einem Staat die „Freiheit“ bringt. Es gibt wahrscheinlich keinen schlimmeren Zynismus als jenen, eine Kriegsoperation „Iraqi Freedom“ zu taufen und dabei Abertausende Menschen ins Elend zu stürzen. Der Krieg im Irak findet sein offizielles Ende, doch bleibt die Frage aller Fragen unbeantwortet stehen: Wie kann auf Trümmern Demokratie und Gerechtigkeit entstehen?

Es ging den USA wohl nie um Werte wie Friede, Demokratie und Gerechtigkeit, denn sonst hätten sie (und nicht nur die USA, sondern alle Staaten, die seit 1945 ungerechtfertigt einen Krieg anzettelten) sich an das Völkerrecht gehalten, welches auf Souveränität, Nichteinmischung und Gewaltverzicht basiert. Naiver Träumer, wer sich noch an solch hehre Ideale klammert? Es kann nicht oft genug gesagt werden: Es geht um politische Macht, Petro-Dollars, Öl, wirtschaftlichen Einfluss und letzten Endes um eine politische Neuordnung für das 21. Jahrhundert. Die USA fürchteten zunehmend um ihren politischen und wirtschaftlichen Einfluss und suchten im Krieg Bestätigung als Welthegemon. Der Irak-Krieg brachte keine Freiheit, sondern Tote und Verletzte, Trauer und Wut, Verzweiflung und Angst, Zerstörung und Krankheit. Kein guter Nährboden für Demokratie und dauerhaften Frieden.

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