„Die grüne Sahelzone ist keine Utopie“

Von Katrin Gänsler ·

Das bekannteste Projekt zur Verlangsamung der Wüstenbildung in der Sahelzone ist die „Grüne Mauer“. Ibrahim Togola, Experte für erneuerbare Energie, erklärt, warum dabei stets die lokale Bevölkerung im Mittelpunkt stehen muss.

In der Sahelzone schreitet die Wüstenbildung fort. Wie sehr befeuert das zusätzlich Konflikte?

Durch Konflikte ist die Sahelzone in Bewegung geraten. Menschen ziehen in Richtung Savanne in den Süden, wo bereits jetzt mehr als 80 Prozent der Bevölkerung leben. Die natürlichen Ressourcen sind einem starken Druck ausgesetzt. An Wasserstellen geraten zunehmend Fischer und Viehhirten aneinander.

Was bedeutet das für Ihre Arbeit?

Die lokale Wirtschaft ist zentral. Dörfer müssen widerstandsfähig sein, was direkt mit den natürlichen Ressourcen verbunden ist. Beispielsweise fällen viele Menschen Bäume, um Holz zu verkaufen oder Holzkohle zu machen. Frauen und Jugendliche haben über viele Monate keine anderen Verdienstmöglichkeiten. Die Zerstörung der Natur wird zum Einkommen.

Stattdessen müssen wir auf erneuerbare Energien setzen und lokale Unternehmerinnen und Unternehmer stärken. Gibt es Energie, entwickeln sich Einnahmequellen.

Das Projekt der Großen Grünen Mauer hat viel Aufmerksamkeit bekommen, als der französische Präsident Emmanuel Macron heuer eine Unterstützung von knapp zwölf Millionen Euro zusagte. Eine grüne Zone, die sich über elf Länder erstreckt, soll der Wüstenbildung entgegenwirken. Was halten Sie davon?

Es ist sehr ambitioniert. Vater der Idee ist Abdoulaye Wade, senegalesischer Präsident von 2000 bis 2012. Seine Vorstellung war: Die Herausforderungen im Umweltbereich lassen sich in Chancen umwandeln, falls die Länder von Senegal bis Dschibuti einen grünen Korridor schaffen, der für bessere Lebensbedingungen sorgt.

Inwiefern?

Im sogenannten grünen Gürtel müssen Projekte entstehen, wie Gemüseanbau, Agroforstwirtschaft, die Nutzung von erneuerbaren Energien. Baumschulen müssen gegründet werden. Sie können tausende junge Menschen beschäftigen.

Damit schafft man nicht nur Ausbildung und ein breiteres Einkommensspektrum, sondern auch Ernährungssicherheit sowie ein sicheres Umfeld für die Jugend. Das gilt auch für Frauenkooperativen.

Es ist schwierig, sich eine grüne Sahelzone vorzustellen. Wie lässt sich das umsetzen?

Auch in Europa hat es Phasen gegeben, in denen die Vegetationsbedeckung verschwand und man aufforsten musste. Deshalb ist das Projekt für die Sahelzone keine Utopie. Die Technologie hat sich sehr weiterentwickelt. Es braucht aber politischen Willen sowie lokale Initiativen.

Und: Lokale Pflanzenarten müssen für die Bewohnerinnen und Bewohner von medizinischem, gesellschaftlichem, kulturellem und wirtschaftlichem Wert sein.

Welche Rolle spielen dabei Organisationen wie Ihre, Mali-Folkecenter?

Als zivilgesellschaftliche Initiative tragen wir Verantwortung: Wir schauen darauf, dass unsere Regierungen keine multinationalen Projekte planen, bei denen etwa Bäume gepflanzt werden, die später exportiert werden sollen. Stattdessen muss die Initiative lokale Wirtschaft sowie Beteiligung zulassen. Gelingt das, dann ist es wirklich eine sinnvolle Entwicklungsinitiative.

Interview: Katrin Gänsler

© privat

Ibrahim Togola, Experte für erneuerbare Energien, gründete 1999 gemeinsam mit Studienkolleg*innen die nichtstaatliche Organisation Mali-Folkecenter. Sie setzt sich für die Nutzung erneuerbarer Energien und die Stärkung lokaler Wirtschaft ein. Togola ist in seiner Heimat auch als „grüner Mann von Mali“ bekannt.

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