Die Republik der Frauen

Gioconda Belli

Roman. Übersetzt von Lutz Kliche. Droemer Verlag, München 2012, 300 Seiten, EUR 18,50

Da die Männer nach vielen Jahrhunderten der Machtausübung den Zustand der Menschheit nicht zum Besseren wenden konnten, nehmen die Frauen im kleinen lateinamerikanischen Staate Faguas selbst das Rad der Geschichte in die Hand: Auf demokratischem Weg, über Wahlen, kommen sie an die Regierung und rufen die „Republik der Frauen“ aus. Mit viel Kreativität, Entschlossenheit, Humor und auch Selbstironie krempelt die Führungsgruppe der „Partei der Erotischen Linken“ das Gesellschaftsgefüge des Staates um.

Das Buch beginnt mit einem Paukenschlag. Viviana Sansón, die Präsidentin von Faguas, hält vor dem Präsidentenpalast eine Ansprache. Viele Menschen folgen begeistert ihrer Rede, Frauen, Männer, Jugendliche. Die Staatschefin schwelgt im Jubel der Menge. Als die Veranstaltung in Auflösung begriffen ist, drängt sich ein Mann zur Präsidentin vor – und schießt sie aus nächster Nähe nieder. Mit einer Kugel im Kopf überlebt Viviana Sansón schwerverletzt das Attentat.

Im Koma liegend, erinnert sich die Präsidentin von Faguas an die verschiedenen Stationen ihres Lebens. In diese Erinnerungen eingestreut sind – gegenwärtige und vergangene – Episoden der Mitkämpferinnen von Viviana Sansón. Und auch die einiger Männer.

Vom Literarischen her ist es kein Glücksfall, wenn ein Autor, eine Autorin sein oder ihr politisches Credo zwischen zwei Buchdeckel presst. Der Text gerät leicht in die Nähe des Klischee- und Pamphlethaften. Doch dass der offenkundige Irrweg der Geschichte, auf dem wir von Krise zu Krise und Krieg und Zerstörung wanken, eine Folge männerdominierter Herrschaft ist, kann aus heutiger Sicht wohl als eine historische Tatsache bezeichnet werden. Warum sollen also nicht einmal auch die Frauen die Gelegenheit erhalten, die Utopie einer echt egalitären, solidarischen, geschwisterlichen Gesellschaft in die Wirklichkeit umzusetzen?

Wie die Geschichte mit der Koma-Patientin ausgeht, will der Rezensent an dieser Stelle bewusst nicht ausplaudern. Nur eines sei verraten: Die Frauen von Faguas wollen ihr historisches Experiment weiter führen, entschlossen und beharrlich einen Fuß vor den anderen setzend.
Werner Hörtner

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