Die Vergessenen im Fokus

Von Redaktion ·

Thomas Schmidinger zeichnet in seinem neuen Buch ein umfassendes, gleichsam bedrückendes Bild über den Genozid an den JesidInnen.

Am 3. August 2015 hörten viele Menschen zum ersten Mal von der Religionsgemeinschaft der Êzîdî (Jesiden). Damals griffen Kämpfer des sogenannten Islamischen Staates die Region um den Berg Sindschar im Norden des Iraks an. Wer es nicht schaffte, sich auf dem Berg in Sicherheit zu bringen, wurde getötet oder versklavt und vergewaltigt.

Während die Weltöffentlichkeit sich heute für das Schicksal der Überlebenden nicht mehr interessiert, leben auch fünf Jahre nach dem Genozid tausende als Vertriebene in Camps, auf dem Berg oder als Flüchtlinge in Europa. Die politischen Konflikte in der Region verhindern eine Rückkehr der meist hochgradig traumatisierten Überlebenden.

Thomas Schmidinger

Die Welt hat uns vergessen

Der Genozid des „Islamischen Staates“ an den JesidInnen und die Folgen

Mandelbaum, Wien Berlin 2019,

232 Seiten, € 20

Hintergründe. Der Politikwissenschaftler und Kultur- und Sozialanthropologe Thomas Schmidinger informiert im vorliegenden Werk aber über weit mehr als über den Genozid. Er berichtet ebenso über die Geschichte der Region und über die verschiedenen religiösen und ethnischen Gruppen, die hier zusammenlebten.

Schmidinger, der Experte für diese Region schlechthin, erzählt von den Ressentiments gegenüber den JesidInnen, die es sowohl unter den arabischen als auch kurdischen MuslimInnen gibt.

Zusätzlich interessant ist das Buch durch den Umstand, dass hier keineswegs nur Literaturarbeit geleistet, sondern gerade auch umfangreiche Feldforschungen vor Ort betrieben wurden. Das Buch basiert auf Gesprächen mit Überlebenden, Flüchtlingen und Persönlichkeiten verschiedener Gruppierungen.

Der Band hat den Anspruch, nicht nur Interessierte anzusprechen, sondern auch JesidInnen selbst, insbesondere nachfolgende Generationen. Insgesamt ein umfassendes, unverzichtbares Standardwerk.   red

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