Die Wassergöttin. Wie ich den Bann des Voodoo brach.

Von Sarah Funk ·

Joana Adesuwa Reiterer

Autobiographie. Knaur Taschenbuch Verlag, München 2009, 320 Seiten, € 8,95

„Du bist eine Ogbanje, eine Wassergöttin.“ Viele Frauen und Kinder in Nigeria, die mit ihrer vermeintlichen Herkunft „aus dem Wasser“ konfrontiert werden, werden dazu gezwungen, sich einem Juju-Ritual zu unterziehen, um ihren Familien Glück und Wohlstand zu bringen. Verweigern sie es, sich zu ihren übernatürlichen Kräften zu bekennen, bringen sie angeblich Unglück und Verderben über ihre Angehörigen und sind physischer und psychischer Folter ausgesetzt.

In ihrer Autobiographie arbeitet Joana Adesuwa Reiterer auf eindringliche und schonungslose Weise ihre Vergangenheit auf und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Bewusstmachung alltäglicher Praktiken moderner Hexenverfolgung und der Bedeutung des Juju-Kultes (Voodoo) in Nigeria. Von ihrem Vater aufgrund ihrer scheinbaren Bestimmung als Ogbanje verstoßen, ist Joana Adesuwa bereits als Kind auf sich alleine gestellt. In „Die Wassergöttin“ erzählt sie von ihren oft traumatischen Erfahrungen, Begegnungen und Erlebnissen, von Überlebensstrategien, Freundschaften und inneren Konflikten. Was bedeutet es, als Frau in einem Land zu leben, das seit der Wirtschaftskrise der 1980er Jahre von einem Erstarken traditioneller, patriarchaler Werte gekennzeichnet ist?

Joana Adesuwa Reiterer lernt einen Mann kennen und folgt ihm nach der Hochzeit nach Österreich. In Wien entdeckt sie seine wahre Lebensgrundlage: Tony ist Menschenhändler und Zuhälter und hat sie für die Rolle der Madame vorgesehen, also der Zuhälterin. Der Juju-Schwur vor einem Priester oder Pastor ist eines der stärksten Mittel zur Kontrolle nigerianischer Frauen, die ins Ausland verkauft werden.

Die „Wassergöttin“ ist das Portrait einer starken und mutigen Frau, die sich dem Kampf gegen Frauenhandel aus Afrika und moderne Hexenverfolgung verschrieben hat. In Wien gründete Joana Adesuwa Reiterer den Verein Exit (www.ngo-exit.com), um Opfer von Frauenhandel zu beraten und auf die Folgen des Juju-Kultes aufmerksam zu machen. Darüber hinaus lieferte sie die Idee für das von Mary Kreutzer und Corinna Milborn verfasste Buch „Ware Frau“, das 2008 im Ecowin Verlag erschien. In ihrer Autobiographie erzählt sie die Geschichte ihres bewegten Lebens. Berührend, beklemmend, lesenswert. (Siehe auch Interview mit der Autorin und Rezension von „Ware Frau“ in SWM 5/08.)

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