Eine andere Digitalisierung ist möglich

Welche Entwicklungen der Digitalisierung zu einem guten Leben für alle dazugehören.

Von Monika Austaller, Ruth Fulterer und Leonie Sontheimer

Eigentlich stecken wir gerade mitten drin im großen Wandel: Vor knapp 30 Jahren war WLAN etwas, das nur Nerds nutzten. Das erste Smartphone kam vor zwölf Jahren auf den Markt. Und heute kann sich kaum einer den Alltag ohne diese Technologien vorstellen.

Nur: Ist das der Wandel, den wir wollen? Führt die Digitalisierung zu mehr sozialer Gerechtigkeit und Wohlstand, ohne die planetaren Ressourcen zu überlasten? Die Antwort lautet wohl leider: Nein.

Längst nicht alle Menschen haben Zugang zu Internet, 2018 nutzten es gerade mal 55 Prozent der Weltbevölkerung. Und auch die ökologischen Folgen der Digitalisierung geben zu denken.

Smartphones enthalten seltene Erden aus Krisengebieten und selbst ehrliche Bemühungen, faire und nachhaltige Geräte herzustellen, stoßen schnell an Grenzen. Jede Nachricht, jede Suche im Browser funktioniert nur, solange Server in riesigen Datenzentren unter hohem Energieaufwand gekühlt werden.

Bis 2030 könnte der Stromverbrauch aller Informations- und Kommunikationstechnologien 50 Prozent der gesamten Stromnachfrage ausmachen und einen erheblichen Teil der Klimaschäden verursachen.

Wissen für alle. Doch es könnte auch anders gehen. Digitalisierung ist nicht per se etwas Schlechtes. Technologien können dazu beitragen, die Herausforderungen unserer Zeit zu meistern und ein gutes Leben für alle zu erreichen. Nehmen wir die Idee der Commons (Gemeingut) zum Beispiel Wikipedia – eine gemeinnützige, digitale Enzyklopädie. Ehrenamtliche halten hier ihr Wissen fest und stellen es frei zur Verfügung. Ein Dienst, von dem unglaublich viele Menschen profitieren. Wikipedia gehört zu den fünf am häufigsten genutzten Websites der Welt.

Während Postwachstumsbewegung und Tech-Szene sich in den vergangenen Jahrzehnten eher unabhängig voneinander ihren Visionen einer Transformation widmeten, macht sich langsam die Erkenntnis breit, dass ein großes Potenzial in der Vereinigung der beiden Visionen steckt.

Bits & Bäume. Die Vernetzungskonferenz „Bits & Bäume” brachte im November 2018 in Berlin Umwelt-AktivistInnen und digitale MenschenrechtlerInnen zusammen. Am Ende waren sie sich einig, dass Digitalisierung Gemeinwohl und Frieden dienen muss, Datenschutz ernst nehmen, sowie soziale und ökologische Ziele fördern soll. Die Freie-Software-Bewegung geht bereits in diese Richtung. Doch die VeranstalterInnen sehen die Verantwortung auch bei den Technologie-Unternehmen: Da die materiellen Ressourcen der Digitalisierung in großem Maße aus dem globalen Süden kommen, müsse die hiesige Technologie-Branche verpflichtet werden, auch in den Abbau- und Produktionsländern Menschenrechte zu garantieren und ökologische Sorgfaltspflichten anzuwenden.

Auch die Politik muss zu einer zukunftsfähigen Digitalisierung beitragen. Zum Beispiel durch eine digital-ökologische Steuerreform.

Diese Idee und weitere konkrete Ansätze, wie eine Digitalisierung aussehen kann, die das gute Leben für alle ermöglicht, finden sich in dem Buch “Smarte Grüne Welt?” von Steffen Lange und Tilman Santarius.

Das Südwind-Magazin beschäftigt sich in der Serie „Nach dem Wachstum“ mit der Frage, wie eine
neue Wirtschaft aussehen soll.

Alle bisherigen Beiträge unter www.suedwind-magazin.at/nachdemwachstum

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