Eine Karte für Kibera

Von Michaela Krimmer ·

Anfang November begannen Jugendliche, einen weißen Flecken auf Afrikas Landkarte zu füllen. Ausgerüstet mit GPS-Geräten vermaßen sie Kibera, den größten Slum Afrikas.

Kibera ist ein weißer Fleck auf der Landkarte. Offiziell gibt es ihn gar nicht. Das Land gehört dem Staat und Baugenehmigungen wurden nie erteilt. Trotzdem wohnt jeder vierte Einwohner Nairobis in Kibera. Nur sieben Kilometer vom Stadtzentrum entfernt leben nach Schätzungen des UN-Siedlungsprogramms UN-HABITAT auf drei Quadratkilometern 500.000 bis 700.000 Menschen. Sämtliche Volksgruppen Kenias sind hier vertreten, die in der Hoffnung auf ein besseres Leben in der Stadt im größten Slum Afrikas landeten.

Kibera ist nicht nur in kartografischer Hinsicht ein weißer Fleck: Basisversorgungen wie Toiletten, fließendes – und sauberes – Wasser, Krankenstationen oder Schulen sind wenig vorhanden. Städteplanerisch wurde Kibera vergessen oder die Institutionen sind schlichtweg überfordert. Wellblechhütten, Wege, Müllhalden entstehen den Bedürfnissen der einzelnen BewohnerInnen nach planlos. Manchmal wurde ganz auf Wege vergessen, und die BewohnerInnen bahnen sich durch minimale Spalten zwischen den Wellblechhütten ihren Weg durch das schlammige Areal. Die deutsche Zeitung „Der Tagesspiegel“ schrieb: „Kibera ein Armenviertel zu nennen, wäre schmeichelhaft.“

Obwohl mehr als 100 Nichtregierungsorganisationen (NGOs) in Kibera arbeiten, ist deren Nutzen umstritten in der Nachbarschaft. Die Koordination zwischen den Hilfsprojekten ist schwer und viele der HelferInnen arbeiten aneinander vorbei. Selbst für die BewohnerInnen ist oft nicht klar, was es in Kibera tatsächlich gibt, meint Mikel Maron von OpenStreetMap. Seine Organisation arbeitet mit Jugendlichen, die Anfang November mit der Vermessung des multi-ethnischen Kibera begonnen haben. Ausgerüstet mit GPS-Geräten, sogenannten Navis, durchstreifen sie Kibera, orientieren sich an markanten Punkten wie Kirchen, Moscheen, Geschäften oder Gesundheitszentren und machen so eine Bestandsaufnahme dessen, was tatsächlich in Kibera vorhanden ist.

OpenStreetMap ist eine von den BenutzerInnen selbst erstellte Online-Karte der Welt, die frei nach dem Open Source-Prinzip jedem und jeder zur Verfügung steht. Neue Informationen können laufend hinzugefügt werden. Die Jugendlichen, die als „ForscherInnen“ Kibera mit ihren Navis vermaßen, hatten zuvor einen zweitägigen Geodaten-Workshop besucht, der von Nichtregierungsorganisationen wie Jump Start International oder WhereCampAfrica finanziert wurde. Die gesammelten Daten werden nach der „Entdeckungstour“ gescannt, dem Geographic Information Service zugeführt und ins Internet hochgeladen. Sie stehen allen BewohnerInnen, NGOs sowie staatlichen Institutionen zur Verfügung. Denn ohne zu wissen, was Kibera zu bieten hat, kann man auch nicht wissen, was Kibera fehlt.

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