Eis aus Tropenhitze

Von Harald A. Friedl ·

Künstliche Kälte ist zwar notwendig, aber teuer und klimaschädlich – außer mit einer solaren Kühlanlage.

Die anthropogene Klima-Erwärmung, so gaben amerikanische WissenschaftlerInnen kürzlich offiziell zu, ist endgültig erwiesen, allen Zweiflern und Beschwichtigern zum Trotz. Was die Menschheit nicht daran hindert, weiterhin jährlich sechs Milliarden Tonnen CO2 in den Himmel zu blasen – und dies nicht nur, um Verkehr und Industrie in Bewegung zu halten.

Bis zu fünf Prozent ihres Energiebedarfs verbrauchen Industrieländer zur Bekämpfung gerade jener wachsenden Hitze. Ob der häusliche Kühlschrank, die Klimaanlage oder industrielle Kühlanlagen, der Bedarf an Kälte ist enorm. Die weit verbreitete Kühlmaschine, die auf Basis der Kompressor-Methode arbeitet, ist zwar äußerst effizient, was das Verhältnis von Kühlleistung zur dafür aufgewandten Arbeit anbelangt. Jedoch benötigt der Motor viel Energie und stösst CO2 aus.

Den Motor mit photovoltaischer Energie anzutreiben, ist technisch gesehen auch nur eine Scheinlösung. Diese von der Wetterlaune abhängige Energieerzeugung verbraucht nämlich bereits für die Fertigung der Solarzellen große Energiemengen. Zudem sind derartige Anlagen in der Anschaffung relativ teuer, im Betrieb höchst störanfällig und besonders in südlichen Ländern mit mangelhafter Ersatzteilversorgung von geringer Lebensdauer.

All diese Gründe zwingen die Betreiber des Entwicklungshilfeprojektes „Dar Maziwa“ der österreichischen EZA zur Förderung der Frischmilchversorgung im Raum Dar es Salaam, für ihre Kühlanlagen auf herkömmliche Diesel- und Holzkohle-Generatoren zurückzugreifen.

Dem Physiker Gerhard Kunze (TU Wien) gelang mit seiner Entwicklung eines solarbetriebenen Kühlaggregats die Lösung des Problems: Das aus gewöhnlichen Stahlrohren, einem Sonnenkollektor, einem Energiespeicher (wie eine Wasserwanne) und einem wärmegedämmten Raum bestehende Gerät produziert aus 80° heißem Wasser Temperaturen bis zu 30° unter Null.

Weil ohne bewegliche Teile, kann diese Maschine in beliebiger Größe von jedem, der ein Schweißgerät beherrscht, selbst gebaut werden. Zudem benötigt sie außer einem regelmäßigen Rostschutzanstrich keinerlei Wartung, ist extrem robust und damit von enormer Lebensdauer. Als Kältemittel dient Ammoniak, der im Gegensatz zu FCKW die Erdatmosphäre nicht gefährdet. Zudem arbeitet die Anlage fast lautlos.

Der eigentliche Trumpf dieser Erfindung ist wohl die hohe Kosteneffizienz. Zwar kosten die Bauteile für eine Anlage zur Erzeugung von 1 kW Kälteleistung, dem Äquivalent eines durchschnittlichen Kühlschranks, knapp 50.000 Schilling, doch amortisieren sich diese Ausgaben bei den gegenwärtigen Stromkosten bereits nach drei Jahren – bei einer geschätzten Lebensdauer von 20 – 30 Jahren.

Wegen des hohen Wirkungsgrades des neuen Kühlsystems und wegen seiner vielfältigen Einsetzbarkeit für Lebensmittelkühlung wie für Raumklimatisierung würde Kühlung in einem großen Maßstab auch in wirtschaftlich benachteiligten Ländern überhaupt erst möglich werden – ohne gleichzeitig das Weltklima anzuheizen.

Die wichtigste Eigenschaft des Geräts ist für seinen Schöpfer, der sich in Mexiko als „Professor für Angepasste Technologie“ habilitiert hat, dessen weitgehende „Angepasstheit“: Wegen der einfachen Konstruktionsweise und der enormen Haltbarkeit schafft es keine neuen Abhängigkeiten von ExpertInnen, Ersatzteilen und KreditgeberInnen.

Harald A. Friedl ist Redakteur des Grazer Web-Magazins „zum Thema:“ (www.zumthema.com).

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