Erinnerung an die Toten

Gabriel Trujillo Muñoz

Von Nora Holzmann
Roman. Aus dem Spanischen von Sabine Giersberg, Unionsverlag, Zürich 2007, 256 Seiten, € 14,90

Ein starrköpfiger Menschenrechtsanwalt mit detektivischen Qualitäten, eine leidenschaftliche Frau auf der Suche nach der Wahrheit, ein lange zurück liegendes Verbrechen, das seine Kreise bis in die höchsten politischen Sphären zieht – das ist die Mischung, aus der Gabriel Trujillo Muñoz’ kurzweiliger Kriminalroman „Erinnerung an die Toten“ zusammengesetzt ist.
Die Geschichte nimmt ihren Ausgang in Mexicali, Hauptstadt des mexikanischen Bundesstaates Baja California und Heimat des Autors, wo Anwalt Miguel Ángel Morgado von einer Frau beauftragt wird, tief in der Vergangenheit ihrer Familiengeschichte zu wühlen. Morgado soll den wahren Hintergründen des Todes ihres Vaters Emilio Esquer Laguna, einst legendärer Gouverneur von Baja California, auf die Spur kommen. Seine Nachforschungen auf beiden Seiten der mexikanisch-US-amerikanischen Grenze führen ihn zurück in das Jahr 1963, in dem der Gouverneur in einem Motel in den Vereinigten Staaten ums Leben kam. Dabei stößt Morgado auf Korruption, Profitgier und Machtverstrickungen, die bis in die Gegenwart hinein reichen und auch vor den gut bewachten Staatsgrenzen nicht halt machen. Gebannt von der Suche nach der Wahrheit, merkt der Ermittler nicht, dass er schon längst selbst zum Spielball verschiedener Interessen geworden ist.
Muñoz erkundet in seinem Roman die Peripherie zweier aufeinander prallender Welten und dokumentiert einen Ausschnitt des Lebens im Grenzgebiet auf flüssige, wenig detailreiche Weise. Überraschungen bleiben weitestgehend aus, dafür kommen Klischees des klassischen Detektivromans nicht zu kurz, besonders wenn es um Mann-Frau-Beziehungen geht. Das oberste Krimi-Ziel, den Spannungsbogen bis zum Ende zu halten, erreicht der Autor aber dennoch.

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