Es reicht! Für alle! Wege aus der Armut

Martin Schenk, Michaela Moser

Von Christine Kohlmayr
Sachbuch. Deuticke Verlag, Wien 2010, 236 Seiten, € 20,50

Was-wo-wann ist Armut? Armut ist eine der existenziellsten Formen von Freiheitsverlust.

Schenk und Moser – beide gehören von Anfang an zu den Initiatoren der Österreichischen Armutskonferenz – machen hier deutlich, dass Armut nicht vom Himmel fällt, es sich dabei nicht um ein Naturereignis handelt, sonder Armut produziert wird. Aber warum? Und wer profitiert davon? Herrschende Wirtschafts- und Politikgrundsätze verstärken die Kluft zwischen Arm und Reich, produzieren Ungleichheit, Ausgrenzung und Armut. Der Mensch ist nicht von sich aus arm, sondern wird durch die bestehenden Verhältnisse arm gemacht. Der Gedanke, dass Armut selbst verschuldet ist, muss somit überdacht werden.

Im Zentrum des Buches stehen nicht Länder, von deren Armut wir wissen, sondern Industriestaaten wie Deutschland und Österreich. Mittlerweile kann es jeden treffen. Ausbildung, Fleiß, Entsagungen, Treue – all das schützt nicht mehr vor einem Abstieg. Denn das Versprechen, dass Leistung und Arbeitseifer soziale Sicherheit und Anerkennung garantieren, wird nicht eingehalten. In Zeiten der Krise kommt es zur Verschärfung sozialer Polarisierung.

Kritisch wird hier die Verteilung der „wenigen“ Ressourcen hinterfragt. Das Problem ist weniger der Mangel als der falsche Umgang mit dem Vorhandenen. Er stellt die eigentliche Ursache dafür dar, dass die Verteilung der Ressourcen nicht für alle reicht. Was können wir nun tun, damit es für alle reicht?

Investitionen in ein solidarisches Sozialsystem, so beweisen Michaela Moser und Martin Schenk, vermindern Armut. Jene Länder mit hohen Investitionen in Soziales haben auch ein hohes Wirtschaftswachstum. Und ein höheres Maß an Solidarität. „Solidarität kann wachsen aus der Einsicht, dass es mir gut geht und es deshalb auch andere gut haben sollen. Oder dass mir das auch passieren kann und ich dann auch gut behandelt werden will.“ (Siehe Standpunkt“ von Martin Schenk auf S. 26.)

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