Exotik hin und zurück

Von Werner Hörtner
Indien, mit Recht auch als indischer Subkontinent bezeichnet, ist ein Land der Vielfalt. Es ist nach China das bevölkerungsreichste Land der Welt, bewohnt von 1,1 Milliarden Menschen und Zehntausenden von Göttern, von Hunderten verschiedenen Völkern mit 18 offiziellen Sprachen.
Ein wichtiger Teil der indischen Kultur ist die Filmkultur, in der sich ebenfalls die große Vielfalt des Riesenreiches niederschlägt. Neben dem historischen Zentrum der Filmindustrie Bombay – woraus sich der Name Bollywood herleitet – gibt es auch in anderen Städten und Bundesstaaten eine rege Kinoproduktion.Es gibt Tausende Filmstars und Leinwandheldinnen und andere Berühmtheiten der Branche, zahlreiche Festivals und Publikationen.

Seit Jahrzehnten ist der indische Film auch ein Exportartikel. Nicht nur für die im Ausland lebenden InderInnen, sondern auch für das allgemeine Kinopublikum in Asien und Afrika, in Nordamerika und immer mehr auch in Europa.
Immer häufiger sind Bollywood- oder andere indische Filme in den europäischen Kinos oder im Fernsehen zu sehen, wobei es keine klare Antwort auf die Frage gibt, was nun europäische Fans dazu bewegt, sich drei, vier Stunden lange Produktionen anzusehen, die nach dem vorherrschenden Kanon von Inhalt und Ästhetik eigentlich als Kitsch einzuordnen wären.
Bloß weil es in ist, weil es als Exotik wahrgenommen wird? Oder zieht uns rationale SkeptikerInnen das Märchenhafte des Bollywood-Kinos an, der Sieg des Guten, das Happy End? Können wir uns Schmalz und Melodramatik eher erlauben, wenn sie in exotischer Verpackung präsentiert werden als in heimischer Kitschromantik?
Doch zumindest in Sachen Exotik findet die Rezeption indischer und europäischer FilmbesucherInnen eine Entsprechung. Während uns das Bollywood-Patchwork aus Tausendundeine Nacht und Mogulen-Pracht anziehen, begeistern sich indische ZuschauerInnen an den Alpengletschern, Bergseen und blumenübersäten Wiesen.

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