Fabian Rogatschnig

Von Redaktion ·

Sie haben als Lehrer im Libanon mit Geflüchteten gearbeitet. Was haben Sie dabei gelernt?

Vor allem, Geduld und Verantwortung zu übernehmen. Unter den 1.400 Menschen im Lager waren 800 Kinder, die teilweise schon lange nicht in die Schule gehen konnten. Man will so viel mit ihnen machen, kommt allerdings schnell drauf, dass aufgrund ihrer Erfahrungen manches einfach zuviel ist. Man lernt auf Menschen einzugehen, und bekommt dafür sehr viel Herzlichkeit zurück.

Von wem kann man Ihrer Meinung nach am meisten lernen?

Jeder kann von jedem lernen. Dazu muss man auf andere zugehen und sie anhören.

Was finden Sie wirklich dumm?

Menschen, die nur negativ denken und raunzen ohne nachzudenken, was man verändern kann.

Sie haben in Beirut ein Fotoprojekt mit geflüchteten Mädchen durchgeführt. Was kann man mit Bildern besser ausdrücken als mit Worten?

Gibt man den Menschen eine Kamera in die Hand, können sie zeigen, was ihnen wichtig ist, und andere verstehen es, selbst wenn sie nicht die gleiche Sprache sprechen. Viele können mit Bildern auch die eigenen Sehnsüchte und Wünsche besser ausdrücken und vermitteln.

Fabian Rogatschnig, 29, kommt aus Feld­­­­­­­­kirchen in Kärnten und lebt in Wien. Er ist am Ende seines Masterstudiums der Internationalen Entwicklung, seit September 2016 ehrenamtlicher Aktivist bei Amnesty International Österreich und hat gerade begonnen, bei GLOBART mitzuarbeiten. Letztes Jahr machte er als Lernbetreuer eines somalischen Geflüchteten und eines tschetschenischen Jugendlichen erste Erfahrungen in der Bildungsarbeit. Anfang 2017 arbeitete er zwei Monate im Libanon für die belgische Organisation SB OverSeas – als Lehrer in einer Flüchtlingsunterkunft – und startete parallel ein Fotoprojekt mit geflüchteten Mädchen.

Welche gute Tat kann jede und jeder hierzulande heute noch tun?

Es ist wichtig, Mut zu haben und offen zu sein. Dann sieht man, was man im Kleinen spontan verändern kann. Das lässt sich dann immer weiter ausbauen.

Wo kann besonders viel bewirkt werden?

An Orten, wo viele junge Menschen sind. In ihnen steckt viel Potenzial für positive Veränderungen.

Wo sind Sie am liebsten?

Auf Reisen, denn da bekomme ich binnen kurzer Zeit enorm viel Input.

Was würden Sie anders machen, wenn der Tag 25 Stunden hätte?

Ich arbeite gerade an so vielen Projekten, dass mir kaum Zeit bleibt meine Wohnung aufzuräumen. Dafür würde ich eine Extra-Stunde brauchen.

Worüber haben Sie zum letzten Mal herzhaft gelacht?

Das weiß ich nicht mehr. Aber ich finde es auch entscheidender, eine positive Grundstimmung zu vermitteln. In der Wiener U-Bahn findet man diese selten. Im Libanon gaben mir die Menschen eher ein positives Gefühl.   cs

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