Filmklub der Weltverbesserer

Von Redaktion ·

Mit „Macht Energie“ kommt dieser Tage ein Dokumentarfilm in die Kinos, der sich einem Nachhaltigkeits-Thema widmet. Wieder einmal. Sara Schausberger ging der österreichischen Tradition der weltverbesserischen Dokus auf die Spur.

Vögel, die aus einem Abwasserbecken einer kanadischen Ölsand-Industrie-Anlage trinken und sterben. Radioaktiv verseuchte Fische, die in Frankreich auf einem Markt verkauft werden. Eisbären in Alaska, die aufgrund der Klimaerwärmung zu ertrinken drohen, da ganze Schneelandschaften schmelzen. Das sind Szenarien aus dem Dokumentarfilm „Macht Energie“. „An einem Punkt, da müssen wir aufhören“, so der Kommentar am Anfang des Filmes.

Das Filmteam rund um Hubert Canaval und Corinna Milborn ist um die Welt gereist, um die unterschiedlichsten Formen der Energiegewinnung zu dokumentieren. „Macht Energie“ zeigt die katastrophalen Auswirkungen der Energie-Industrie. „Wir waren dabei nicht so sehr an spektakulären Umweltkatastrophen im Zusammenhang mit Energiegewinnung interessiert, wir haben versucht, unseren Blick auf die schleichende Katastrophe zu lenken“, so Regisseur Canaval gegenüber dem Südwind-Magazin. „Wer würde es für möglich halten, dass in Frankreich, in La Hague, radioaktiver Abfall über ein Rohr ins Meer geleitet wird? Ich habe das nicht gewusst und ich war entsetzt!“

Der Film beschreibt Probleme, liefert aber auch Lösungsvorschläge mit. Canaval: „Es war uns wichtig, zu zeigen, wie wenig notwendig ist, um etwas zu verändern und zu verbessern.“

Kritische Dokumentarfilme zu entwicklungs- und umweltpolitischen Themen: „Macht Energie“ reiht sich in ein Segment ein, das in Österreich mittlerweile Tradition hat. Hubert Saupers „Darwin’s Nightmare“ (2004) wurde für den Oscar nominiert. Der Film rückt die ökologische Katastrophe in den Fokus, die das Aussetzen des Nilbarsches im ostafrikanischen Victoriasee nach sich zog.

Saupers neues Werk, „We come as friends“ (2014), dreht sich um europäische, US-amerikanische und chinesische Einflussnahme in Südsudan. Nikolaus Geyrhalter widmete sich in seinem Film „Unser täglich Brot“ (2005) der Massenproduktion von Lebensmitteln. 2006 prangerte Erwin Wagenhofer in „We feed the world“ die Lebensmittelindustrie an, die allein auf Gewinnmaximierung aus ist. Werner Boote greift in „Plastic Planet“ (2009) sowie „Population Boom“ (2013) mit der Belastung durch Kunststoffe bzw. einer vermeintlichen Überbevölkerung entscheidende gesellschaftliche Fragen unserer Zeit auf. Nicht zu vergessen: Das Arbeiter-Epos „Workingman’s death“ (2005) und und und.

Seit etlichen Jahren findet die österreichische Filmszene international große Beachtung für ihre Dokus. Wieso ist gerade Österreich ein so fruchtbarer Boden dafür? Eine verstärkte Filmförderung für diesen Bereich existiert nicht. Aber zumindest müssen Filmemacherinnen und Filmemacher laut Canaval mittlerweile nicht mehr argumentieren, wenn sie einen Dokumentarfilm fürs Kino machen wollen. „Wir sind ein Kleinstaat“, so Canaval weiter, „wir leben aber immer noch im kulturellen Bewusstsein einer multikulturellen Großmacht.“ Auch deswegen der Blick auf globale Fragen.

Julia Binter ist Autorin des Buches „We shoot the world: österreichische Dokumentarfilmer und die Globalisierung“. Die Kultur- und Sozialanthropologin erklärt: „Dadurch, dass sich die Dokumentarfilmer an heimischen Themen abgearbeitet haben, versuchen sie jetzt, globale Kritik zu üben.“ Dabei gehe es auch darum, was die globalen Zusammenhänge mit Österreich zu tun haben, vor allem für KonsumentInnen.

Was noch dahinter steckt, hinter der großen Anzahl an Dokumentarfilmen made in Austria, ist selbst für die Expertin Binter nicht so einfach zu beantworten. Aber sie freut sich über die Produktionen: „Ganz wichtig ist, dass all diese Filme von den ökonomischen Dimensionen der Globalisierung sprechen und diese kritisieren“, so Binter. Und, dass die Filmemacher wüssten, an welcher Stelle sie ansetzen sollen. Binter verweist auf Erwin Wagenhofer, der einst meinte, er würde versuchen, den Finger an jener Stelle in die Wunde zu legen, an der es am meisten weh tut.

Gemeinsam hätten die sonst so unterschiedlichen Dokus laut Binter die Kritik an den Großindustrien, die allein auf Profitmaximierung aus sind – von Lebensmittel- bis zu Energie­kon­zernen: „Dieses aufklärerische Moment ist sicher in allen Filmen vorhanden.“ Auch Canaval, der neben seiner Tätigkeit als Filmemacher auch an der Wiener Filmakademie Regie unterrichtet, findet, dass viele österreichische Dokumentarfilme auf einen gemeinsamen Nenner gebracht werden können, und zwar: „Die Fähigkeit, auf Dinge zu schauen, die über Fakten hinaus eine wirklich menschliche Fragestellung bearbeiten.“

„Macht Energie“, ab 7. März in den österreichischen Kinos.

Sara Schausberger arbeitet als Kultur-Journalistin in Wien.

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