Fußabdrücke und Fußtritte

Von Brigitte Pilz ·

Was ist Faktum? Was medienwirksame Effekthascherei? Wie weit darf das Engagement für eine Sache die Ausdrucksweise leiten?

Österreich hinterlässt einen ökologischen Fußabdruck, der 2,8-mal so groß ist wie die eigene Nutzfläche. Im Klartext: Wir verbrauchen Land, das anderen gehört. Wir betreiben Raubbau an Ressourcen, die Menschen auf anderen Erdteilen zur Verfügung stehen sollten. Wir scheren uns wenig darum, wie zukünftige Generationen zurecht kommen werden.
Ist das zu drastisch ausgedrückt? Betreibt man damit Panik-Mache? Ist das Umwelt-Fanatismus? Ökologischer Fundamentalismus? Kürzlich geißelte auf einem Symposium zum Thema Nachhaltigkeit („Voraus schauen. Zukunft bauen“, 22. Februar 2002, in Wien) der renommierte amerikanische Zukunftsforscher John Naisbitt die UmweltschützerInnen unisono. Er verteilte sozusagen medienwirksame Fußtritte.

Es gelte, eine klare Grenze zwischen „intelligentem Erhalten unserer Natur und fanatischem Umwelt-Fundamentalismus zu ziehen“. Ein Großteil dessen, was heute als Umweltverschmutzung charakterisiert werde, sei übertrieben. Unheilspropheten hätten zum Beispiel gegen die Erderwärmung einen Kreuzzug begonnen. Die Gesamtauswirkung der globalen Erwärmung werde wahrscheinlich nicht zu einem zerstörenden Problem für künftiges Leben auf unserem Planeten werden, sagt Naisbitt. Um dann zum Kyoto-Protokoll anzumerken: Dieser Weg würde immense Kosten, aber nur ein geringes Ausmaß an Resultaten bewirken. Aber: „In der realen Welt wird Kyoto ohnehin nicht stattfinden. Die gute Nachricht für Europa ist demnach, es seinerseits nicht umsetzen zu müssen, und es kann George Bush dafür verantwortlich machen.“ Die Beispiele der Beschwichtigung und Blauäugigkeit in diesem Vortrag ließen sich fortsetzen.

Nun kann es bezüglich der Erderwärmung und anderer Umweltfragen durchaus verschiedene Meinungen geben. Wie kann aber ein Zukunftsforscher die gesamte Umweltbewegung derart pauschal in Misskredit bringen? Natürlich gibt es Übertreibungen. Es gibt auch im Umweltbereich Fanatismus und Unsachlichkeit. Natürlich werden Fakten mediengerecht pointiert formuliert. Doch das Verdienst der gesamten Umweltbewegungen ist doch – und das muss anerkannt werden – dass heute Ökologie ein Thema ist, auch in der Politik, auch in der Wirtschaft. Und Gewiss, es ist nicht immer einfach, Daten, Fakten und darauf beruhende Überzeugung und Sorge von medienwirksamer Effekthascherei und Kalkül zu unterscheiden. Auch bei Naisbitt nicht: Am Ende des Vortrags – als er von seinen Enkeln sprach und von seinem Wunsch einer nachhaltigen Welt für sie – brach er in Tränen aus und wankte vom Podium.

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