Gegen Frust und Ohnmacht

Von Irmgard Kirchner ·

Demokratie und Medien sind in der Krise. Beides bedingt sich gegenseitig.

100 Jahre Republik, 100 Jahre Frauenwahlrecht, 80 Jahre „Anschluss“ an Hitlerdeutschland, 70 Jahre Erklärung der Menschenrechte, 40 Jahre Prager Frühling … sind Themen des Gedenk- und Erinnerungsjahres 2018 in Österreich. Im Fokus des Erinnerns stehen Entwicklung und Zerstörung der Demokratie. Die Kenntnis der Geschichte, so sagt man, kann helfen, aktuelle Fehlentwicklungen frühzeitig zu erkennen.

Viele Menschen wirken aktuell demokratiemüde. Sie haben Vertrauen in die Institutionen der Demokratie verloren, sind frustriert und fühlen sich ohnmächtig.

Eine wachsende Fragmentierung der Gesellschaft, die die gesellschaftliche Solidarität gefährdet, verstärkt diese Entwicklung – zu einem Teufelskreis.

Wieviel ernsthafte Auseinandersetzung führt der oder die Einzelne mit Menschen, die anders denken, anders sozialisiert sind, andere Werte haben, unter gänzlich anderen ökonomischen Bedingungen leben und arbeiten? Der in einer zersplitterten Gesellschaft besonders wichtige gesamtgesellschaftliche öffentliche Diskurs darüber, was für alle und für einzelne Gruppen relevant und wichtig ist, fehlt uns.

Spaltbar. Eine pluralistische Gesellschaft, die nicht im Gespräch mit sich ist, ist noch weiter spaltbar. Das führen uns populistisch agitierende PolitikerInnen vor, die Polarisierung und Ausgrenzung fördern, um davon politisch zu profitieren. Diese Prozesse laufen über Medien und die sozialen Netzwerke.

Jene Medien, die sich primär als Informationsdienstleister und nicht als auf Profit ausgerichtete Unternehmen verstehen, könnten dem entgegenwirken. Sie könnten versuchen, eine gesamtgesellschaftliche Perspektive einzunehmen.

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Österreich ist in seiner Funktion als öffentliches Gut durch die GebührenzahlerInnen abgesichert. Genau das versucht die rechte Politik in Österreich zu zerstören.

Traditionelle Medien, für die die KonsumentInnen bezahlen, verlieren Publikum, Macht und Einnahmen. Sie können keine Gemeinschaft mehr stiften.

Relevante Fragen. Medien, die sich der Öffentlichkeit verpflichtet fühlen, und Demokratie stecken beide in der Krise. Die Suchbewegung muss beide in dieselbe Richtung führen: Was sind für wen und für alle die wirklich relevanten Fragen, wer stellt sie und in welchem Rahmen wird darüber diskutiert?

Im Medienbereich spricht man von „Audience Engagement“: Wer für sein Publikum relevant sein will, muss auf sein Publikum zugehen, es ernst nehmen und aktiv in die Themenfindung einbinden, ihm mit Respekt begegnen. Auch in der eigenen Belegschaft sollte die Diversität der Gesellschaft abgebildet sein. Das kann als Anspruch an öffentlich-rechtliche Medien gestellt werden. An wen sonst?

Praktische Anleihen können aus dem Feld der direkten Demokratie genommen werden, das Demokratie als interaktiven Prozess versteht.

Sowohl Medien als auch die Demokratie müssen sich weiterentwickeln. Gerade deshalb braucht Österreich seinen öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Ein Angriff auf ihn ist ein Angriff auf die Demokratie.

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