Gekommen, ankommen, bleiben?

Warum es nicht immer einfach ist, sich zu Hause zu fühlen.

Von Burte-Ujin Otgonkhuu

Ich bin vor fünf Jahren hierher nach Österreich gekommen. Ich bin angekommen. Ich bin geblieben. Doch es war nicht immer leicht, sich hier anzupassen oder einfach akzeptiert zu werden.

Denn ich hatte das Gefühl, anders als andere zu sein. Ich wurde immerzu analysiert und beobachtet. Ich wurde zum umstrittenen Gesprächsthema. In allem, was ich tat und sagte, wurde zu viel hineininterpretiert. Ich musste mir immer wieder, jeden Tag aufs Neue, eine rassistische Bemerkung gefallen lassen. Dadurch hatte ich kein Selbstvertrauen mehr.

Es handelt sich um ein strukturelles Problem, von dem die gesamte Gesellschaft betroffen ist. Rassismus ist dabei kein „einfaches“ Mobbing, denn Rassismus beruht auf einem realen Machtunterschied in unserer Gesellschaft.

Wenn wir über Rassismus sprechen, zeigen viele auf die rechtsradikale Szene oder verweisen auf die Geschichte. Doch die Abwertung von Menschen anderer Herkunft oder Hautfarbe geschieht mitten unter uns. Alltagsrassismus ist kein Randphänomen und kann überall stattfinden: in der Schule, am Arbeitsplatz, im Straßencafé und auf jeder beliebigen Geburtstagsparty. Und manchmal sind wir es selbst, die Menschen diskriminieren, oft ohne dass es uns bewusst wird.

Meine Erfahrungen teile ich, um andere wissen zu lassen, dass man nicht allein ist, dass wir nicht allein sind.

Es ist Zeit, das alles zu beenden. Denn das, was uns ausmacht, ist unsere Menschlichkeit, durch die wir Mitgefühl und Liebe gegenüber anderen zeigen können.

Burte-Ujin Otgonkhuu ist Schülerin des BORG Wiener Neustadt, sie nahm bei „Sag’s Multi“ 2020 teil. Der mehrsprachige Redewettbewerb bietet jungen Menschen mit unterschiedlichen Backgrounds eine Plattform: www.sagsmulti.at

Der Text ist eine stark gekürzte Version, die Rede in voller Länge gibt es unter:

www.suedwind-magazin.at/ankommen-bleiben

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